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Presse-Artikel
|Fussball
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Quelle:
Frankfurter Allgemeine
Zeitung, 22.04.2003, Nr. 93 / Seite 32
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Bändiger
mit Pfiff: Markus Merk
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| Bot
eine fehlerlose Leistung: Markus Merk |
Da konnte ja nichts schiefgehen.
Markus Merk war schon während der gesamten vergangenen Woche in einem
Stimmungshoch und hatte sich folglich für den Samstag vorgenommen, "daß mir
nichts und niemand in diesem Stadion die Laune nehmen kann". Dabei mußte der
FIFA-Schiedsrichter aus Kaiserslautern im Westfalenstadion darauf gefaßt sein,
als eine Art Löwenbändiger in die Arena zu ziehen. Denn wäre aufs neue wahr
geworden, was dem Duell zwischen Borussia Dortmund und Bayern München von jeher
nachgesagt wird, hätte Merk den Oberaufseher beim alljährlichen "Haßgipfel" der
Fußball-Bundesliga geben müssen. Von Haß, Antipathie und Vorurteilen konnte im
nachhinein keine Rede mehr sein: Markus Merk kam mit zwei Gelben Kärtchen -
eines für den Dortmunder Wörns, eines für den Münchner Niko Kovac - aus und
stand beim 1:0-Erfolg des alten über den vielleicht schon am kommenden Samstag
gekürten neuen Meister doch im Blickpunkt. Einerseits, weil er es mit
bemerkenswerter Gelassenheit verstanden hatte, die Betriebstemperatur auf dem
Platz bei Bedarf abzukühlen, andererseits, weil er mit scharfem Blick wie fast
niemand sonst im Stadion erkannte, daß Kovac den Ball vor Amorosos Elfmetertor
mit der Hand gespielt hatte.
"Kommunikation statt Konfrontation" lautet
einer der Grundsätze des 41 Jahre alten Pfälzers, der auch international aus der
allerersten Reihe pfeift. Diesem Prinzip fühlte sich Merk, als Zahnarzt von
Berufs wegen feinfühlig, gerade in dem Stadion verpflichtet, in dem sein Kollege
Hartmut Strampe vor zwei Jahren einen Bundesligarekord aufgestellt hatte: Der
Niedersachse schickte beim Klassiker Dortmund gegen Bayern drei Spieler vom
Platz und sprach dazu zehn Verwarnungen aus. Solche "Bestleistungen" strebt Merk
nicht an, der es inzwischen besser als jeder andere deutsche Unparteiische
versteht, streitende Spieler zu beruhigen und miteinander zu versöhnen. So wie
er, mit einer Mischung aus fachlich schwer angreifbarer Autorität und "loyalem
Umgang mit den Spielern", erfüllen die Spitzenschiedsrichter in England und
Italien seit langem ihre kniffligsten Aufträge.
"Heute mußt du der
Ruhigste auf dem Platz sein", hatte sich Merk, auch als Dauerläufer von
bemerkenswerter Beharrlichkeit, schon vor dem Anpfiff geschworen. Er hielt sich
scheinbar mühelos an seinen Vorsatz und gab danach zu, "daß mir das vor zehn
Jahren noch nicht so gut gelungen wäre". Dabei weiß Merk, daß eine einzige
folgenschwere Fehlentscheidung einen bis dahin exzellenten Gesamteindruck
nachhaltig eintrüben kann. So kommt sich der Schiedsrichter manchmal wie ein
Torwart vor. In Dortmund lag Markus Merk nicht einmal schief. Er hatte es
geahnt. "Als ich rausging ins Stadion", verriet er später, "war mir klar, heute
ist ein guter Tag für den Fußball." r.z.
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