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Schiedsrichter | Porträts | Fussball

 

 

Quelle: Mainzer Rhein-Zeitung vom 03.05.2003, Seite 28.

 

 

Fandel: International macht die Pfeiferei mehr Spaß

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild des Monats

Virtuos an Pfeife und Piano

Die Gegensätze könnten größer kaum sein: Während der 39-Jährige Woche für Woche als Schiedsrichter im Rampenlicht der Fußball-Bundesliga steht, schreibt er in seinem Hauptberuf die Muse groß - als Pianist und Leiter der Kreismusikschule Bitburg-Prüm. In Liga eins leitet der Kyllburger seit 1996 Spiele, brachte es seitdem auf 123 Einsätze. Auf internationaler Bühne ist er seit rund fünf Jahren vertreten. Auch beim olympischen Fußballturnier 2000 in Sydney durfte Fandel ran. Darüber hinaus zählt er zu den Mitgliedern der "Top-Class" der Uefa, der europäischen Schiedsrichter-Elite. In der Saison 2000/01 erhielt der zweifache Familienvater die Auszeichnung "Schiedsrichter des Jahres". (aa) Foto: Imago

Der Top-Schiedsrichter aus der Eifel im Interview: Oft geht's nur noch um Effekthascherei - Ein Kandidat für die WM 2006?

KYLLBURG. Die "heiße Phase" in der Fußball-Bundesliga ist eingeläutet, gerade im Kampf um den Klassenverbleib geht es noch für viele Klubs um alles oder nichts. Jene, deren Pfiffe über Titel, Tränen und Triumphe mitentscheiden, stehen mehr denn je im Rampenlicht: die Schiedsrichter.

Erfahrene Unparteiische wie Herbert Fandel sind da besonders gefragt. Der 39- jährige Südeifeler zählt neben Markus Merk zu Deutschlands Top-Leuten an der Pfeife. Im Interview zieht Fandel ein vorläufiges Saison-Fazit aus seiner Sicht, sagt, was ihn derzeit stört und äußert sich auch zur Möglichkeit, bei der WM 2006 im eigenen Land dabei sein zu können. Das Gespräch im Wortlaut:

Die öffentliche Meinung weist Ihre Zunft oft als alleinverantwortliche "Richter" über Auf- und Abstiege aus. Wie gehen Sie mit diesem Druck um?

Daran habe ich mich vom Grundsatz her längst gewöhnt. Das gehört zu meinem Amt dazu. Was einfach stört, ist aber der immer größer werdende Zirkus. Die Nachbetrachtung und Beurteilung der Schiedsrichter-Auftritte mutiert immer mehr zum Lächerlichen. Es geht oft nur noch um Effekthascherei.

Sie sprechen den immer rauer werdenden öffentlichen Umgangston an. Wie kann man da als Schiedsrichter gegensteuern?

Mit einer konsequenten, sachlichen Linie. Auf dem Platz und außerhalb. Als Unparteiischer hat man die Aufgabe, die Einhaltung der Fußballregeln zu überwachen. Dabei unterlaufen uns sicher auch Fehler. Genauso wie sie Spielern oder Trainern bei der Erfüllung ihrer Aufgaben passieren.

Manchmal scheint es so, als sei der Aufruhr gegen Schiedsrichter-Urteile umso höher, je niedriger der spielerische Level ist ...

Und genau aus diesem Grund macht es in bestimmter Hinsicht auch mehr Spaß, internationale Partien auf Top-Niveau zu leiten. Im Gegensatz zur Bundesliga gibt es da kaum Spieler, die den Ball beim Stoppen weiter weg befördern als beim Passen.

Was die Konsequenz aus Fehlern angeht, ähneln sich die Verhältnisse bei Spielern und Schiedsrichtern inzwischen. Beide werden ausgewechselt. So etwa Ihr langjähriger Assistent Harry Ehing. Nachdem er sich beim Duell von Schalke 04 gegen Borussia Dortmund erneut einige Fehlentscheidungen geleistet hatte, wurde er von Schiri- Obmann Volker Roth bis Saisonende von der Linie verbannt. Halten Sie solche Repressalien für sinnvoll?

Seinen Fehlern kann man sich nicht entziehen. Ob eine solche Konsequenz das Richtige ist, brauche ich nicht zu beurteilen. Tatsache ist, dass Harry Ehing über viele Jahre hinweg ein ausgezeichneter Mann an der Seitenlinie war.

Sowohl beim Ruhrpott-Derby wie auch beim Spiel des FC Bayern gegen Leverkusen schnitten Sie in den vergangenen Wochen ziemlich schlecht in der Öffentlichkeit ab, erhielten selbst in der Fachpresse die Note "mangelhaft". Wie sehr belastet so etwas?

Früher habe ich solche Kritiken ernst genommen. Inzwischen lässt mich das kalt. Bei den beiden genannten Spielen war es außerdem so, dass ich vom DFB-Beobachter eine ausgezeichnete Beurteilung erhielt. Auch das macht deutlich, wie sehr die landläufige Meinung oft fehlgeleitet wird.

Zur ablaufenden Saison: In der Winterpause wurde der "vierte Mann" eingeführt, um die Gemüter an der Außenlinie zu beruhigen, die "Rudelbildung" hat in vielen Fällen nachgelassen, umstrittene Situationen werden nicht mehr in dem Umfang wie noch vorige Saison von Spielertrauben begleitet ...

Seitdem der vierte Mann draußen ist, musste meines Wissens kein Trainer mehr auf die Tribüne. Das spricht doch eindeutig für diese Maßnahme. Eigenartig fand ich, wie lange es gedauert hat, bis dieses Thema bei uns durch war. In anderen europäischen Profiligen ist das gang und gäbe. In Sachen Rudelbildung ist es wichtig, dass bei den Spielern Angst vor der Konsequenz herrscht.

Mit Hellmuth Krug beendet einer Ihrer arrivierten Kollegen nach Saisonende altersbedingt seine Schiedsrichter- Laufbahn im Profibereich. In den kommenden Jahren werden weitere erfahrene Unparteiische folgen. Wie sehen Sie die Qualität des Nachwuchses?

Es gibt etliche talentierte, junge Leute, die derzeit noch in der Dritten oder der Zweiten Liga pfeifen und durchaus gute Perspektiven besitzen. Vor der Zukunft ist mir deshalb nicht bange.

Die Altersgrenze für Bundesliga-Schiedsrichter nach oben zu verschieben, halten Sie also angesichts der vorhandenen Talente für weniger sinnvoll?

Richtig. Persönlich käme es wohl nicht für mich in Frage, länger zu pfeifen.

Bereits in diesem Jahr leiteten Sie Top-Spiele wie das des AS Rom gegen Ajax Amsterdam in der Champions League oder das EM-Qualifikationsspiel Kroatien gegen Belgien. Als Mitglied der höchsten Referee-Stufe Europas könnten Sie auch Endspiele pfeifen. Wann rechnen Sie mit einem solchen Einsatz?

Da lässt sich nichts herbeireden. Dies ist zunächst von der eigenen Leistung abhängig. Alles weitere kann ich nicht beeinflussen.

Als höchstrangiger deutscher Unparteiischer neben Markus Merk sollten Teilnahmen an der EM 2004 oder der WM 2006 im eigenen Lande Fernziele sein, oder?

So weit blicke ich gar nicht mehr nach vorne. Das habe ich mir im Laufe der Jahre abgewöhnt. Eigentlich schaue ich nur von Spiel zu Spiel.

Die Fragen stellte Andreas Arens

 

 

 

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 Letzte Aktualisierung:
27. April 2003

 

© Axel Beckmann