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Schiedsrichter | Kritik | Fußball

 

 

Die große Debatte im Herbst 2002 - Teil VII

 

 

In den Köpfen etwas regeln

Schiri Wolfgang Stark unerbittlich: Gelb für Bobic wegen Meckerns. Foto: dpa

 

 

Schiedsrichter- Diskussion: Rufe nach einem vierten Referee werden laut

Irgendwie kommt einem das bekannt vor. Die Verkettung unglücklicher bis fahrlässiger Schiedsrichter- Entscheidungen ruft mal wieder die Disputanten auf den Plan. Es irrt der Mensch, solang' er lebt. Von wegen! Das mag ja im alten China noch gegolten haben, wo sie vor einer nicht mehr genau zu ergründenen Anzahl von Jahren erstmals vor eine mit Luft gefüllte Schweinsblase traten. Millionen von Zuschauern an den Bildschirmen und eine gehörige Portion Profitdenken in der Balltreterzunft indes rauben den Irrtümern alles Menschliche. Aus Zeugen und verprellten Profiteuren werden Ankläger - und der Ruf nach vermeintlicher Gerechtigkeit findet immer irgendwo Gehör.

Genau genommen aber, reden wir bei der augenblicklichen Diskussion ja über zwei Dimensionen des Irrtums. Wo - wie in Leverkusen oder Hannover geschehen - offensichtliche Handspiele vom schlecht postierten oder uneinsichtigen Referee übersehen bzw. ignoriert werden, suchen die Benachteiligten entweder Trost in der (chinesischen?) Fußballweisheit, wonach sich im Laufe einer Spielzeit alles Unglück eben ausgleicht. Oder aber es ertönt der Ruf nach einem vierten Unparteiischen. So wie jetzt von DFB-Teamchef Rudi Völler, Bayern- Manager Uli Hoeneß und selbst von Schiri-Diva Hellmut Krug gefordert. Wobei noch nicht geklärt ist, mit welchen Kompetenzen und Hilfsmitteln (Fernsehen?) dieser vierte Mann ausgestattet werden soll.

Im Falle des zu ausgelassen jubelnden Cottbusers Christian Beeck ist es wohl ratsam, das Fifa-Regelwerk mal zu entstauben. Wo, bitte schön, endet denn der Torjubel, beginnt die Provokation in Stadien ohne Zaun?

Ab zum Duschen! In Rostock schickte Referee Hermann Albrecht zwei Spieler vorzeitig in die Kabine und hatte in dieser ruppigen Partie auch sonst alle Hände voll zu tun. Foto: dpa

Weitaus schwerwiegender und viel schwerer zu bekämpfen ist allerdings ein Irrglaube, der sich bei vielen Vereinen festgesetzt zu haben scheint. Danach soll das Siegen leichter fallen, wenn der Gegner mittels groben Foulspiels massiv eingeschüchtert, besser aber noch wirkungsvoll dezimiert wird. Diesem Neo- Kannibalimus frönten vor einer Woche schon die Akteure von Borussia Dortmund und der Münchner Bayern, und so hielten es diesmal auch die "Knochenbrecher" aus Rostock und Stuttgart. Selbst wenn neben jedem Spieler ein Referee her liefe, wäre dieser Interpretation von "Spiel" nicht beizukommen. Hier macht's einzig und allein Sinn, setzten sich alle Beteiligten mal zusammen. Geplant ist ein solcher "Runder Tisch" schon.

Denn hintergründig geht's ja um viel mehr als um Tore und Punkte, Image und das bisschen übrig gebliebene (Doppel- ) Moral im Profi- Fußball. 9800 Schiedsrichter hat der DFB 2001 ausgebildet. 12 000 Schiris aber haben im selben Zeitraum Schluss gemacht, mehr als ein Drittel von ihnen wegen verbaler und körperlicher Angriffe. Das ist vielleicht der größte neuzeitliche Irrtum im Fußball- Geschäft: Dass sich immer noch ein paar "Dumme" finden ... Klaus Reimann

Mainzer Rhein-Zeitung vom 18.11.2002, Seite 22.

 

 

 

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 Letzte Aktualisierung:
31. Dezember 2002

 

© Axel Beckmann