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Schiedsrichter- Diskussion: Rufe nach einem
vierten Referee werden laut
Irgendwie kommt einem das bekannt vor. Die Verkettung unglücklicher
bis fahrlässiger Schiedsrichter- Entscheidungen ruft mal
wieder die Disputanten auf den Plan. Es irrt der Mensch, solang' er lebt. Von
wegen! Das mag ja im alten China noch gegolten haben, wo sie vor einer nicht
mehr genau zu ergründenen Anzahl von Jahren erstmals vor eine mit Luft gefüllte
Schweinsblase traten. Millionen von Zuschauern an den Bildschirmen und eine
gehörige Portion Profitdenken in der Balltreterzunft indes rauben den Irrtümern
alles Menschliche. Aus Zeugen und verprellten Profiteuren werden Ankläger - und
der Ruf nach vermeintlicher Gerechtigkeit findet immer irgendwo Gehör.
Genau genommen aber, reden wir bei der augenblicklichen Diskussion
ja über zwei Dimensionen des Irrtums. Wo - wie in Leverkusen oder Hannover
geschehen - offensichtliche Handspiele vom schlecht postierten oder
uneinsichtigen Referee übersehen bzw. ignoriert werden, suchen die
Benachteiligten entweder Trost in der (chinesischen?) Fußballweisheit, wonach
sich im Laufe einer Spielzeit alles Unglück eben ausgleicht. Oder aber es ertönt
der Ruf nach einem vierten Unparteiischen. So wie jetzt von DFB-Teamchef Rudi
Völler, Bayern- Manager Uli Hoeneß und selbst von Schiri-Diva Hellmut Krug gefordert. Wobei noch nicht geklärt ist, mit welchen
Kompetenzen und Hilfsmitteln (Fernsehen?) dieser vierte Mann ausgestattet werden
soll.
Im Falle des zu ausgelassen jubelnden Cottbusers Christian Beeck ist
es wohl ratsam, das Fifa-Regelwerk mal zu entstauben. Wo,
bitte schön, endet denn der Torjubel, beginnt die Provokation in Stadien ohne
Zaun?
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Ab zum Duschen! In Rostock schickte Referee Hermann Albrecht zwei
Spieler vorzeitig in die Kabine und hatte in dieser ruppigen Partie auch sonst
alle Hände voll zu tun. Foto: dpa |
Weitaus schwerwiegender und viel schwerer zu bekämpfen ist
allerdings ein Irrglaube, der sich bei vielen Vereinen festgesetzt zu haben
scheint. Danach soll das Siegen leichter fallen, wenn der Gegner mittels groben
Foulspiels massiv eingeschüchtert, besser aber noch wirkungsvoll dezimiert wird.
Diesem Neo- Kannibalimus frönten vor einer Woche schon die
Akteure von Borussia Dortmund und der Münchner Bayern, und so hielten es diesmal
auch die "Knochenbrecher" aus Rostock und Stuttgart. Selbst wenn neben jedem
Spieler ein Referee her liefe, wäre dieser Interpretation von "Spiel" nicht
beizukommen. Hier macht's einzig und allein Sinn, setzten sich alle Beteiligten
mal zusammen. Geplant ist ein solcher "Runder Tisch" schon.
Denn hintergründig geht's ja um viel mehr als um Tore und Punkte,
Image und das bisschen übrig gebliebene (Doppel- ) Moral
im Profi- Fußball. 9800 Schiedsrichter hat der DFB 2001
ausgebildet. 12 000 Schiris aber haben im selben Zeitraum Schluss gemacht, mehr
als ein Drittel von ihnen wegen verbaler und körperlicher Angriffe. Das ist
vielleicht der größte neuzeitliche Irrtum im Fußball-
Geschäft: Dass sich immer noch ein paar "Dumme" finden ... Klaus
Reimann Mainzer Rhein-Zeitung vom 18.11.2002, Seite 22. |