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Schiedsrichter | Kritik | Fußball

 

 

Die große Debatte im Herbst 2002 - Teil X

 

 

Spieler-Protest gegen Ausschluss vom Runden Tisch

 

 

 

Düsseldorf (dpa) - Die Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV) hat gegen den Ausschluss der Profis vom Runden Tisch zur Schiedsrichter-Diskussion in Gelsenkirchen protestiert. «Es ist eine vertane Chance. Man hätte auch mit den Spielern den Dialog aufnehmen sollen», erklärte VdV-Geschäftsführer Thomas Hüser.

Auch Michael Preetz, Kapitän von Hertha BSC, hat kein Verständnis für die Nichtberücksichtigung der Profis durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB): «Hier wird uns Spielern doch deutlich demonstriert, dass man auf unsere Meinung keinen Wert legt.»

Ohne Spielervertreter erachtet der VdV-Vizepräsident den Runden Tisch, der sich vor allem mit dem zunehmend gereizten Klima zwischen Profis und Unparteiischen bei Bundesliga-Spielen befassen soll, für zwecklos. «Die Spielergewerkschaft hat bereits in der vergangenen Woche DFB-Obmann Volker Roth schriftlich angeboten miteinander zu sprechen. Bisher gibt es keine Reaktion. Das ist enttäuschend.»

Kein Verständnis für diese Entscheidung des DFB hat auch Michael Zeyer vom Zweitligisten MSV Duisburg. «Es ist ein Rückfall in alte Zeiten», sagte der Mittelfeldspieler. «Wir waren schon auf dem richtigen Weg. Dass wir jetzt nicht berücksichtigt wurden, wirft alle Beteiligten zurück.» Ähnlich sieht es auch Bruno Labbadia, Stürmer des Karlsruher SC. «Auch für die Spieler ist wichtig, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Das ist jetzt schwieriger geworden.»

Unterdessen hat der frühere Bundesliga-Referee Wolf-Dieter Ahlenfelder heftige Kritik am DFB-Schiedsrichterausschuss geübt. «Die Gilde unserer Profi-Schiedsrichter ist geprägt von großer Hochnäsigkeit», erklärte der 58-jährige Oberhausener in einem Interview der «Neuen Rhein-Zeitung». Das rühre nicht daher, dass die Unparteiischen an sich überheblich seien.

Die Referees würden mit «einem Kokolores an Richtlinien derart angespitzt und in die Enge getrieben», dass sie den Platz nur noch mit dem Anschein von Überheblichkeit betreten könnten. «Wir haben Super-Schiris, aber die werden arg zurecht gestutzt», sagte Ahlenfelder, der zwischen 1975 und 1989 106 Bundesliga-Spiele gepfiffen hat. Außerdem wirft er dem Vorsitzenden des DFB- Schiedsrichterausschusses vor, dass in der Bundesliga «das Regelwerk anders interpretiert und umgelegt» wird als in anderen Ländern. «Das ist doch unzumutbarer Richtlinien-Bürokratismus», sagte Ahlenfelder.

Die aktuelle Debatte um die Schiedsrichter hat für den Bundesliga-Unparteiischen Jürgen Aust vor allem ökonomische Ursachen. «Was jetzt abläuft, hängt eng mit der angespannten wirtschaftlichen Situation der Vereine zusammen», meinte der 42-jährige Kölner in einem Interview des «General-Anzeiger» in Bonn. Der immense Erfolgsdruck mache Spieler und Trainer nicht berechenbar. «Inzwischen wird doch praktisch über jeden Pfiff gemeckert, uns sogar Absicht unterstellt», sagte Aust. Den Runden Tisch hält er für überflüssig. Schließlich würde man sich vor jeder Saison mit den Vereinsvertretern zusammensetzen. «Wenn wir auseinander gehen, sind wir stets die besten Freude. Also: Die Zeit können wir uns sparen.»

 

 

 

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 Letzte Aktualisierung:
31. Dezember 2002

 

© Axel Beckmann