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Schiedsrichter | Kritik | Fußball

 

 

Die große Debatte im Herbst 2002 - Teil XV

 

 

Der vierte Mann kommt

Der runde Tisch

Erhalten zukünftig Unterstützung vom vierten Mann: die Assistenten

 

 

Quelle: Berliner Morgenpost vom 21.11.2002

Mit Hilfe des vierten Schiedsrichters soll der Konflikt zwischen den Unparteiischen sowie Profis, Trainern und Klub-Offiziellen der Fußball-Bundesliga weitestgehend gelöst werden. «Der vierte Schiri wird als Pilotprojekt für die Rückrunde eingesetzt, er soll seine Kollegen unterstützen», erklärte Gerhard Mayer-Vorfelder, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach einem Krisengipfel in Gelsenkirchen mit führenden Vertretern der Bundesliga-Referees, des DFB und der Deutschen Fußball Liga (DFL) sowie einigen Trainern und Managern des Oberhauses.

Der international schon längst übliche vierte Mann wird nach den Regeln des Welt- und des Europaverbandes (Fifa und Uefa) erstmals zum Rückrundenstart am 25. Januar 2003 nur in den Spielen der ersten Bundesliga eingesetzt. Das Pilotprojekt ist vorerst auf die Rückrunde der Saison 2002/2003 beschränkt. Ferner sollen die Assistenten besser geschult werden, und auch auf die einheitliche Auslegung des Regelwerkes soll verstärkt geachtet werden. Weitere Änderungen in der Spielleitung wie der Einsatz elektronischer Hilfsmittel oder die Einführung des Profi-Schiedsrichters wurden zunächst verworfen.

«Wir glauben, dass der vierte Schiedsrichter vor allem dem ersten Assistenten, der durch das Theater an der Bank von seinen eigentlichen Aufgaben abgelenkt worden ist, eine große Hilfe sein wird», sagte Fifa-Referee Herbert Fandel (Kyllburg). Beide Seiten gelobten am «runden Tisch», an dem trotz Protesten von Profiseite keine Vertreter der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) saßen, Besserung im gegenseitigen Umgang. «Wir werden alles tun, damit der wechselseitige Respekt bei Einhaltung der Regeln und die Akzeptanz bei Schiedsrichter-Entscheidungen wieder hergestellt wird», sagte Gerhard Mayer-Vorfelder. sid


Quelle: Berliner Tagesspiegel vom 21.11.2002

Von Michael Rosentritt

Gelsenkirchen. In einem Spiel der Ersten Fußball-Bundesliga wird es weiterhin einen Ball geben und zwei Tore. Neu ist allerdings: In der Rückrunde gibt es vier Schiedsrichter. Das beschloss - in Folge der seit Tagen anhaltenden Schiedsrichter-Diskussion - am Mittwoch ein runder Tisch des deutschen Fußballs. Dieser bestand aus Vertretern des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der Deutschen Fußball-Liga (DFL) sowie aus Bundesliga-Managern, Trainern und Schiedsrichtern. Die Neuerung, die in der "Galerie Architektur und Arbeit" zu Gelsenkirchen vorgestellt wurde, ist allerdings zeitlich begrenzt. "Das ist ein Pilotprogramm, das auf die Rückrunde beschränkt ist und nur für die Erste Liga gilt", sagte Werner Hackmann, der Chef der Fußball-Liga.

Zu Beginn der Bundesliga-Rückrunde am 25. Januar des kommenden Jahres wird das Schiedsrichter-Gespann in den Stadien verstärkt. Keinen Zweifel gibt es daran, dass sowohl das Präsidium des DFB als auch der Vorstand der DFL die Regeln in absehbarer Zeit entsprechend ändern werden.

Mit der Einführung des vierten Offiziellen nähert sich die Bundesliga dem internationalen Standard an. In den meistern europäischen Ligen sowie bei internationalen Wettbewerben gehört der vierte Mann längst dazu. Die Finanzierung dieses Pilotprojektes tragen die Bundesliga-Vereine. Reiner Calmund (Leverkusen), der neben Dieter Hoeneß (Hertha) und Rudi Assauer (Schalke) die Interessen der Vereinsmanager vertrat, sagte: "Wir rechnen mit einer Belastung von 17 000 Euro pro Verein." Sollte sich das Projekt als sinnvoll erweisen, könnte das allerdings Folgekosten nach sich ziehen. Die Kosten für eine übergreifende Einführung eines vierten Mannes in der Zweiten Bundesliga und im nationalen Pokal-Wettbewerb sollen sich für eine Spielzeit auf etwa 1,5 Millionen Euro belaufen. Eine solche Summe werden die Vereine sicherlich nicht mehr allein aufbringen wollen.

Der vierte Schiedsrichter wird im Wesentlichen nach internationalen Leitlinien handeln. Er wird nicht direkt ins Spielgeschehen eingreifen, sondern soll "beruhigend auf die Vertreter beider Spielparteien einwirken", wie Schiedsrichter Herbert Fandel sagte. Vor allem soll der neue Mann den Linienrichter, der vor den Trainerbänken fungiert, entlasten. Das war erforderlich geworden, weil dieser Assistent des Schiedsrichters durchschnittlich die meisten Fehler macht. "Das ist statistisch erwiesen", sagte Hoeneß. Anders als von Schiedsrichtern gefordert, beschloss der runde Tisch, den Strafenkatalog nicht zu verschärfen. "Emotionen haben mit Geld nichts zu tun", sagte Hoeneß dazu.

Prinzipiell soll auf dem Spielfeld der gegenseitige Respekt zunehmen. Angesprochen auf das harte Durchgreifen mancher Schiedsrichter, über das sich vorwiegend Spieler beschwert hatten, sagte Dieter Hoeneß: "Mit zwei, drei Worten ist manchmal mehr zu erreichen als mit 15 Gelben Karten."

DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hofft nun auf die Fortsetzung des Dialogs. Dabei sollen in Zukunft auch aktive Bundesliga-Spieler einbezogen werden.

 

 

 

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 Letzte Aktualisierung:
31. Dezember 2002

 

© Axel Beckmann