Als nach dem Spitzenspiel Bayern München gegen Borussia Dortmund die
Emotionen hoch kochten und der junge Schiedsrichter Michael Weiner aufgrund
einiger strittiger Entscheidungen in die Kritik geriet, holten die Funktionäre
zum Gegenschlag aus. Manfred Amerell, Mitglied des Schiedsrichter-Ausschusses im
DFB, attackierte das Benehmen der Spieler.
DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder traf sich mit Schiedsrichter-Obmann
Volker Roth und ließ ebenfalls verlauten, dass die Spieler sich besser betragen
müssten. Gleichzeitig lud er zum «Runden Tisch» mit angeblich allen Beteiligten.
Doch die Hauptbeteiligten, nämlich wir Spieler, blieben außen vor. Obwohl unsere
Vertretung, die VdV, bereits in der vergangenen Woche schriftlich Kontakt zu
Obmann Roth aufgenommen hatte. Doch bis heute gibt es keine offizielle Reaktion
des DFB, der Deutschen Fußball-Liga oder der Schiedsrichter auf dieses
Gesprächsangebot der Spieler.
Gestern unterhielten sich nun also ausschließlich Funktionäre aus Verband und
Liga, mit Matthias Sammer und Hans Meyer wurden lediglich zwei Trainer mit an
den «Runden Tisch» gebeten. Wie soll sich bei einem solchen Umgang miteinander
die Zusammenarbeit verbessern? Die Funktionäre benahmen sich in dieser Debatte
so, wie es die Schiedsrichter auf dem Platz oft tun: unflexibel, starrköpfig und
arrogant.
Anstatt eine Rolle als neutraler Vermittler einzunehmen, hat sich der DFB
bereits vorab ganz auf die Seite der Schiedsrichter geschlagen. Herrn
Mayer-Vorfelder war der Friede mit den Funktionären der Pfeifenmänner wichtiger
als die konstruktive Diskussion aller Beteiligten. Und auch den Vertretern der
Unparteiischen in Schiedsrichter-Ausschuss und -Lehrstab fehlt diese
Bereitschaft zum Dialog mit den primär Betroffenen.
Übrigens ist das Verhältnis der Aktiven zu den Schiris auf dem Platz oft
deutlich besser als das der Unparteiischen zu deren eigenen Obleuten. Unabhängig
von den Ergebnissen des «Runden Tisches»: Für die Spieler ist klar, dass sie
einem konstruktiven Dialog gegenüber weiter offen sind. Wir wollen die Schiris
nicht ins Abseits stellen.
Michael Preetz ist Profi bei Hertha BSC und Vize-Präsident der
Spielergewerkschaft VdV