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Aufpasser für die Ersatzbänke
r.z. GELSENKIRCHEN. Wenigstens im deutschen Profifußball
gibt es noch Arbeitsbeschaffungsprogramme. So beschlossen am Dienstag nachmittag
kurz vor dem Länderspiel Deutschland gegen Holland die Spitzen des Deutschen
Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) bei einer
Krisensitzung in Gelsenkirchen, mit dem Beginn der Bundesliga-Rückrunde am 25.
Januar die Schiedsrichtergespanne um den vierten Mann zu erweitern. Diese
Reaktion auf das zuletzt zerrüttete Verhältnis zwischen Spielern und
Vereinsoffiziellen einerseits sowie den Unparteiischen andererseits soll
zunächst in der Form eines "Pilotversuchs", wie DFB-Präsident Gerhard
Mayer-Vorfelder ankündigte, getestet werden.
Damit setzten sich in der
großen Runde an einem eckigen Tisch die Reformer durch, die sich von diesem in
anderen europäischen Ländern und bei internationalen Spielen längst vollzogenen
Schritt verbesserte Schiedsrichterleistungen und ein angenehmeres Betriebsklima
versprechen. DFL-Präsident Werner Hackmann machte deutlich, daß das knapp 240000
Euro kostende "Pilotprojekt auf die Erste Bundesliga begrenzt" sei. Damit ist
die Schiedsrichtergilde demnächst mit fünf Abgesandten bei jeder
Bundesliga-Begegnung vertreten: den drei Verantwortlichen, die wie bisher die
Partien leiten, dem Schiedsrichterbenoter auf der Tribüne und dem vierten Mann
zwischen den Trainerbänken. Dessen Arbeit, vom Internationalen Fußball-Verband
in zwanzig Punkten geregelt, honoriert die DFL pro Schiedsrichter mit 1500 Euro
- demselben Satz, der für die Schiedsrichter-Assistenten fällig ist. Die
Schiedsrichter beim Gelsenkirchener Gipfel ohne Spielerbeteiligung - sie sollen
beim ersten Auswertungsgespräch auch vertreten sein - begrüßten die Einführung
des vierten Kameraden einhellig. Mayer-Vorfelder, Hackmann, die
Bundesliga-Manager Dieter Hoeneß (Hertha BSC Berlin) und Reiner Calmund (Bayer
Leverkusen), der Mönchengladbacher Trainer Hans Meyer sowie die Schiedsrichter
Fandel und Markus Merk sowie Volker Roth als Schiedsrichter-Obmann sowie die
anderen Repräsentanten von DFB und DFL waren sich einig, daß, so
Mayer-Vorfelder, "der wechselseitige Respekt bei der Einhaltung der Regeln und
beim Akzeptieren der Schiedsrichter-Entscheidungen wiederhergestellt" werden
müsse. Sechs Rote und fünf Gelb-Rote Karten an den beiden vergangenen Spieltagen
dienten als Beleg für die ungewöhnliche Aggressivität, die in dieser Spielzeit
auf Deutschlands Bundesliga-Plätzen herrscht. Bei der "beschränkten
Wahrnehmungsfähigkeit" der Schiedsrichter seien Fehlentscheidungen
"systemimmanent", doch gleichwohl hinzunehmen. Die dritte "Leitlinie" der von
Mayer-Vorfelder verkündeten Empfehlungen, die in den zuständigen Gremien von DFB
und DFL noch abzusegnen sind, betraf die Aufforderung an den
Schiedsrichterausschuß des DFB, "die Assistentenschulung zu verstärken und dafür
zu sorgen, daß die Regeln einheitlich ausgelegt werden".
Somit müssen
auch die Schiedsrichter dazulernen. Referee Herbert Fandel verspricht sich von
dem vierten Mann, der auch dazu da sei, unerlaubte Aktionen hinter dem Rücken
der Schiedsrichter dem ihm nächsten Assistenten zu melden, eine entkrampfende
und disziplinierende Wirkung. "So kann sich der Assistent mehr auf seine
Aufgaben auf dem Spielfeld konzentrieren, während der vierte Mann - als
Aufpasser gegenüber aufgebrachten Trainern, ungehörigen Spielern und aufgeregten
Managern - sein Augenmerk mehr auf Vorkommnisse außerhalb des Spielfeldes
richtet." Soviel zur Theorie, die Praxis folgt vom 25. Januar 2003 an.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2002, Nr. 271
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