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Schiedsrichter | Kritik | Fußball

 

 

Die große Debatte im Herbst 2002 - Teil XIII

 

 

Vier Schiedsrichter für die Bundesliga

Der runde Tisch

Flankenschutz für Schiedsrichter: Markus Merk beim Runden-Tisch-Gipfel in Gelsenkirchen

 

 

Aufpasser für die Ersatzbänke

r.z. GELSENKIRCHEN. Wenigstens im deutschen Profifußball gibt es noch Arbeitsbeschaffungsprogramme. So beschlossen am Dienstag nachmittag kurz vor dem Länderspiel Deutschland gegen Holland die Spitzen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) bei einer Krisensitzung in Gelsenkirchen, mit dem Beginn der Bundesliga-Rückrunde am 25. Januar die Schiedsrichtergespanne um den vierten Mann zu erweitern. Diese Reaktion auf das zuletzt zerrüttete Verhältnis zwischen Spielern und Vereinsoffiziellen einerseits sowie den Unparteiischen andererseits soll zunächst in der Form eines "Pilotversuchs", wie DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder ankündigte, getestet werden.

Damit setzten sich in der großen Runde an einem eckigen Tisch die Reformer durch, die sich von diesem in anderen europäischen Ländern und bei internationalen Spielen längst vollzogenen Schritt verbesserte Schiedsrichterleistungen und ein angenehmeres Betriebsklima versprechen. DFL-Präsident Werner Hackmann machte deutlich, daß das knapp 240000 Euro kostende "Pilotprojekt auf die Erste Bundesliga begrenzt" sei. Damit ist die Schiedsrichtergilde demnächst mit fünf Abgesandten bei jeder Bundesliga-Begegnung vertreten: den drei Verantwortlichen, die wie bisher die Partien leiten, dem Schiedsrichterbenoter auf der Tribüne und dem vierten Mann zwischen den Trainerbänken. Dessen Arbeit, vom Internationalen Fußball-Verband in zwanzig Punkten geregelt, honoriert die DFL pro Schiedsrichter mit 1500 Euro - demselben Satz, der für die Schiedsrichter-Assistenten fällig ist. Die Schiedsrichter beim Gelsenkirchener Gipfel ohne Spielerbeteiligung - sie sollen beim ersten Auswertungsgespräch auch vertreten sein - begrüßten die Einführung des vierten Kameraden einhellig. Mayer-Vorfelder, Hackmann, die Bundesliga-Manager Dieter Hoeneß (Hertha BSC Berlin) und Reiner Calmund (Bayer Leverkusen), der Mönchengladbacher Trainer Hans Meyer sowie die Schiedsrichter Fandel und Markus Merk sowie Volker Roth als Schiedsrichter-Obmann sowie die anderen Repräsentanten von DFB und DFL waren sich einig, daß, so Mayer-Vorfelder, "der wechselseitige Respekt bei der Einhaltung der Regeln und beim Akzeptieren der Schiedsrichter-Entscheidungen wiederhergestellt" werden müsse. Sechs Rote und fünf Gelb-Rote Karten an den beiden vergangenen Spieltagen dienten als Beleg für die ungewöhnliche Aggressivität, die in dieser Spielzeit auf Deutschlands Bundesliga-Plätzen herrscht. Bei der "beschränkten Wahrnehmungsfähigkeit" der Schiedsrichter seien Fehlentscheidungen "systemimmanent", doch gleichwohl hinzunehmen. Die dritte "Leitlinie" der von Mayer-Vorfelder verkündeten Empfehlungen, die in den zuständigen Gremien von DFB und DFL noch abzusegnen sind, betraf die Aufforderung an den Schiedsrichterausschuß des DFB, "die Assistentenschulung zu verstärken und dafür zu sorgen, daß die Regeln einheitlich ausgelegt werden".

Somit müssen auch die Schiedsrichter dazulernen. Referee Herbert Fandel verspricht sich von dem vierten Mann, der auch dazu da sei, unerlaubte Aktionen hinter dem Rücken der Schiedsrichter dem ihm nächsten Assistenten zu melden, eine entkrampfende und disziplinierende Wirkung. "So kann sich der Assistent mehr auf seine Aufgaben auf dem Spielfeld konzentrieren, während der vierte Mann - als Aufpasser gegenüber aufgebrachten Trainern, ungehörigen Spielern und aufgeregten Managern - sein Augenmerk mehr auf Vorkommnisse außerhalb des Spielfeldes richtet." Soviel zur Theorie, die Praxis folgt vom 25. Januar 2003 an.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2002, Nr. 271 / Seite 31

 

 

 

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 Letzte Aktualisierung:
31. Dezember 2002

 

© Axel Beckmann