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Esther Kogelboom über Kondition und
Korruptionsresistenz der Schiedsrichter
Gerechtigkeit ist ein
alter Brocken Brot. Man muss ganz schön lange daran kauen, und sie ist manchmal
ziemlich schwer verdaulich. Manche beißen sich auch die Zähne dran aus – im
Sport heißen diejenigen Schiedsrichter, und weil die meistens so lange kauen und
kauen, sind sie hauptberuflich oftmals Zahnarzt. Wie Markus Merk, Deutschlands
berühmteste Pfeife.
Man muss sich das mal vorstellen, was die Herren und
Damen mit der Trillerpfeife um den Hals zu leisten haben. Ausgerüstet mit nur
zwei Augen, zwei Beinen und zwei Assistenten müssen sie, etwa beim Fußball, 105
mal 70 Meter Rasenfläche mit Keilereien überblicken, immer dort sein, wo es
gerade brennt – und sich hinterher im Fernsehen die Zeitlupeneinstellungen
angucken, in denen der Ball hinter eine Linie springt und nochmal und nochmal,
begleitet von den aufgebrachten Kommentaren eines aufgeregten Kommentators. Eine
Riesenportion Selbstbewusstsein brauchen Schiedsrichter, gepaart mit Kondition,
Konsequenz und Korruptionsresistenz.
„Wie unparteiisch sind die
Unparteiischen?“ war das Thema einer Podiumsdiskussion im Deutschen Olympischen
Institut, welches, malerisch gelegen am Kleinen Wannsee, die angereisten
Unparteiischen den stressigen Alltag an der Pfeife für zwei Stunden und eine
Bockwurst-Kartoffelsalat-Gürkchen-Verlängerung vergessen ließ. Um die
„Persönlichkeitsstrukturanalyse“ ging es, der sich der moderne Schiedsrichter
unterziehen muss, um das Machtmotiv als solches und um „psychoregulative
Verfahren aus dem Fernen Osten“, die der Potsdamer Sportpsychologe Jürgen
Beckmann zur Regulierung der aufgewühlten Schiedsrichter-Seele empfahl. Wie die
„Affen im Mangobaum“ müsse man sie tanzen lassen, die anderen – Hauptsache, das
Vertrauen in die eigenen Trillerfähigkeiten ist da.
Affen? Mangobaum?
Hmm. Macht eine Aufwandsentschädigung von 3068 Euro pro Bundesliga-Spiel nicht
automatisch entspannt und selbstbewusst? Möglich. Es sei denn, man gehört zum
exotischen Stamm der Frauen. Dann bekommt man knapp 150 Euro
Aufwandsentschädigung für ein Bundesliga-Spiel. „Das reicht schon mal für ein
neues Paar Turnschuhe oder einen Pullover extra“, sagt Inka Müller, die seit ein
paar Jahren in der Frauen-Bundesliga pfeift. Wie unparteiisch die Unparteiischen
sind, so das Resumee der ambitionierten Talkshow am See, darauf kann es keine
Antwort geben. Und noch etwas: Schiedsrichter sind auch nur Menschen - wer hätte
das gedacht. Und altes Brot ist gar nicht so hart. Kein Brot, das ist hart.
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