Startseitechristmas_next.gifSchiedsrichterchristmas_next.gifKritik / Diskussionchristmas_next.gifAllgemein

Allgemeines

 Diskussionsforum

 Hilfe

 Gästebuch

 Impressum

 Leitartikel

 Links

 Mitglieder

 News

 Shop

 Thema des Monats

 Über "uns"

 

Organisationen

 Bundesligen

 DBB

 Regionalligen

 Landesverbände

 Euroleague

 FIBA

 International

 Luxemburg

 Österreich

 Rolli-Basketball

 Schweiz

 USA

 

Schiedsrichter | Kritik | Allgemein

 

 

Quelle: FAZ vom 29. Mai 2002

 

 

Wie unparteiisch sind die Unparteiischen?

 

 

 

Das Publikum als Gegenspieler: "Aber der Arm ging nicht hoch"

BERLIN. Ralf Brand hat über die psychische Belastung von Schiedsrichtern im Sport geforscht und ist dabei zu folgendem Ergebnis gekommen: Referees werden von Zuschauerreaktionen nicht beeinflußt. Die Schmährufe, die Androhung körperlicher Gewalt, die Pfiffe, der Lärm - all diese Phänomene finden nach Ansicht des Stuttgarter Sportpsychologen "nur am Rande des Spiels statt" und berühren die Arbeit eines Schiedsrichters kaum. Diese These sorgte bei den übrigen Teilnehmern der Podiumsdiskussion zum Thema "Wie unparteiisch sind die Unparteiischen?" für erstaunte Mienen. Brands Behauptung brachte Schwung in die Debatte, so daß sich Andreas Höfer vom Deutschen Olympischen Institut (DOI) in seiner Rolle als Moderator zurücknehmen konnte.

Die Diskutanten, die das DOI eingeladen hatte, waren aktive oder ehemalige Spitzenschiedsrichter in Ballsportarten. Die Debatte verengte sich schnell auf das Problem der gezielten Beeinflussung von Unparteiischen. Siegfried Kirschen, der 16 Jahre für den Internationalen Fußball-Verband (FIFA) gepfiffen hat, warnte davor, das Publikumsverhalten in seiner Wirkung zu unterschätzen. Kirschen berichtete von einem Kollegen, der während eines Fußballspiels massiv von Fans beschimpft wurde. Als gegen Ende der Partie eine klare Abseitssituation vorlag, habe er diese nicht angezeigt. Angesprochen auf die Fehlentscheidung, habe der Kollege später gesagt: "Ich wußte, daß es Abseits war. Ich wollte auch die Fahne heben, aber der Arm ging nicht hoch."

Kirschens Anekdote, die belegt, daß äußere Einflüsse sogar das Unterbewußtsein prägen können, regte dazu an, Abwehrstrategien zu erörtern. So schilderte Fußball-Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich seine Vorbereitung auf Bundesligaspiele: "Ich versuche jeglichen Streß zu vermeiden. Ich beschäftige mich auch nicht mit der Vorgeschichte eines Spielers - ob er beispielsweise gern Elfmeter schindet. Mein Ziel ist es, ausgeruht und völlig unvoreingenommen in die Partie zu gehen." Peter Schließer, Basketball-Schiedsrichter und Vizepräsident des deutschen Meisters Alba Berlin, hält eine "gesunde autoritäre Ausstrahlung" des Referees für eine Berufsvoraussetzung. "Aus jeder Geste muß Entschlossenheit sprechen", sagte Schließer. "Nur so kann man wirksam Distanz halten." Auch Fröhlich maß der Körpersprache große Bedeutung bei: "Ein guter Schiedsrichter beherrscht das Spiel der Kommunikation. Und das beginnt schon bei kleinen Fingerzeigen."

An kleinen Fingerzeigen und den Pfiffen mit der Trillerpfeife finden allerdings nur wenige Schiedsrichter lange Freude. Die Frustration gerade im Amateurbereich ist enorm. So leidet beispielsweise der Berliner Fußball-Verband unter einer starken Fluktuation: 180 von 1500 Schiedsrichtern quittieren jährlich ihren Job. Die Berliner haben Probleme, die rund 1700 Amateurspiele pro Wochenende zu besetzen. Eine Attraktivierung des Schiedsrichteramtes täte also not, doch diese ist kaum zu realisieren. Finanzielle Anreize können nämlich aufgrund knapper Kassen im Breitensport nicht geboten werden, die Entlohnung für ein stressiges Amt wird auch in Zukunft dürftig bleiben. Was jedoch die Verbände nach Ansicht des Potsdamer Psychologieprofessors Jürgen Beckmann ihren Schiedsrichtern bieten könnten, seien intensive mentale Schulungen. Mit geistiger Stärke, so Beckmann, ließe sich auch der konfliktträchtige Schiedsrichterjob besser bewältigen: "Jeder Referee sollte sich Gelassenheit aneignen und die Spieler auf dem Platz tanzen lassen wie Affen im Mangobaum."

CHRISTIAN EWERS

 

 

 

Regeln

 Änderungen

 Ausarbeitungen

 Grundlagen

 Interpretationen

 Ordnungen

 Regelfragen

 Texte

 

Schiedsrichter

 Ausbildung

 Förderung

 Fortbildung

 Frauen

 Funktionäre

 Kritik

 Porträts

 Presse

 Psychologie

 Technik

 Tipps

 Vereine

 

 Letzte Aktualisierung:
31. Dezember 2002

 

© Axel Beckmann