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Schiedsrichter | Funktionäre | Lehrgangsgestaltung

 

 

 

 

 

Grundlagen der Motivation und Kommunikation

 Buch

 

 

Mitschrift des Seminars am 07.03.99 in der Sportschule Oberhaching

Veranstalter : Bayerischer Basketball Verband e.V.

Seminarleiter : Andreas Schweins (Firma perfact training, Erlangen)

1. Begriffe, Vorbemerkungen

Andere motivieren zu wollen (extrinsische Motivation), setzt eigene (intrinsische) Motivation voraus.

Ebenen der Kommunikation:

  • Inhaltsebene          (Sachthemen des Lehrgangs)
  • Beziehungsebene    (Umgang mit den Teilnehmern)

Der Lerneffekt entsteht hauptsächlich auf der Beziehungsebene. Der richtige Umgang mit den Teilnehmern ist daher wichtig. Die Zielgruppe wird sich i.a. aus 3 Gruppen zusammensetzen:

Gruppe 1:
Teilnehmer, die ihrerseits bereits über intrinsische Motivation verfügen. Diese Teilnehmer dürfen wir nicht enttäuschen und damit demotivieren.

Gruppe 2:
Teilnehmer, die extrinsisch motivierbar sind. Dieser Gruppe gehört unsere besondere Aufmerksamkeit.

Gruppe 3:
Teilnehmer, die für das Lehrgangsziel nicht motivierbar sind („Zwangsteilnehmer“, Leute mit aktuellen Problemen, etc.). Um diese Gruppe müssen wir uns zwar auch kümmern, sollten uns aber durch deren Desinteresse nicht frustrieren lassen.

Eigene Rolle:
Sich über Trennung zwischen Person und Funktion (Dissoziation) bewußt sein, z.B. bei Kritik. Dieser Unterschied sollte einem Schiedsrichter grundsätzlich klar sein.

Möglichkeiten der extrinsischen Motivation:

Methode KITA („Kick In The Ass“) : Motivation durch Leistungsdruck, Hinweis auf Prüfung, etc. Nur temporär einsetzen, da sie – wenn überstrapaziert – die Aufnahmefähigkeit senkt.

Methode MÖHRE („Lasttier – um nicht zu sagen : Esel - folgt der Möhre an der Angel vor seiner Nase“) : Teilnehmern durch richtige Dosierung und richtige individuelle Ansprache ein sich steigerndes Kompetenzgefühl geben.

Sandwich - Prinzip bei Weitergabe von  Kritik : Kritik in positive Eingangs- und Schluss- Bemerkung einpacken ( „Gut war – aber – dennoch“)

Statt „Kritik“ besser “Feedback“ benutzen, da Begriff „Kritik“ rein negativ besetzt ist

2. Ablauf eines Lehrgangs

2.1 Vorbereitung

Für „Lehrgangs-Hygiene“ sorgen : frische Luft, ausreichend Platz, gute Pausenplanung, kein störender Lärm, Lehrmittel (Medien) und Ablauf gut vorbereiten, Namensschilder (Badge, z.B. selbstklebend, Teilnehmer tragen Vornamen ein) mitbringen.

Von Beginn an die Barrieren zwischen Leiter und Teilnehmern aufbrechen (siehe 3.)

2.2 Zum Ablauf

Nach Begrüßung und Vorstellung Frage für jeden Teilnehmer : „Warum bin ich hier?“ Individuelle Antworten auf Kärtchen oder Zettel schreiben lassen --> Pinwand. Gegebenenfalls, d.h. bei überwiegend positiven Kommentaren nach positiv/negativ sortieren.

Dann : Ziele des Lehrgangs definieren, „Was wird sich für euch durch diesen Lehrgang ändern? “, „ Wie könnt ihr selbst zu diesen Zielen beitragen?“(evtl. diese Beiträge an Tafel schreiben und stehen lassen), Gedankenprozesse ankurbeln und Motivation vermitteln. Beispiel : Videoszenen einer komplizierten Spielsituation vorführen, einmal mit einem überforderten Schiedsrichter, einmal mit einem, welcher der Situation gewachsen war : „Dieser Unterschied soll vermittelt werden“ (Ziel emotional im Kopf verankern).

Lehrgangsablauf erläutern

Zur Sitzordnung : „Frontalunterricht“ oder offene Sitzrunde ohne Tische ? Vorschlag : Mit Frontalunterricht beginnen, später (temporär) zur Sitzrunde – Lehrgangsleiter eingereiht - übergehen. Wann ? Wenn die Teilnehmer am Einschlafen sind („kurze Pause, Tische weg“) oder wenn sich die Sitzrunde thematisch anbietet (Thema Schrittfehler, Foul, etc.).

Am Ende von Teilnehmern Feedback einholen : „Was war gut, was war nicht gut?“

3. Verhaltensregeln

3.1 Grundsätzliche Tips

Wichtig:Eigene Körpersprache (non-verbale Kommunikation : Sprache, Stimme, Gestik)

  • Sich nicht verstecken (hinter Pult, Papier, etc.), sondern sich unter die Teilnehmer begeben : das erweckt den Eindruck von Kompetenz und vergrößert die eigene Sicherheit.
  • Tempowechsel : Dynamischer Beginn (stehen, umhergehen), dann Vortragen. Wenn es zu ruhig wird, Sitzrunde bilden (siehe 2.2)
  • Aufrechte Haltung (erzeugt deutliche Stimme), kein „Scheibenwischer-Blick“, sondern systematisch (z.B. der Reihe nach) jeden anschauen; Lächeln, aber auch mit den Augen !
  • Durchaus auf die Teilnehmer zugehen, aber : zu große Nähe wirkt eher bedrohlich, es sei denn, man kennt den Teilnehmer gut.
  • Stimme variieren (laut – leise), keine Monotonie im Vortrag
  • Zum Kritisieren eines Teilnehmers dessen konkretes Verhalten ansprechen (keine allgemeinen Bemerkungen machen) und gleichzeitig Verbesserungsvorschläge machen. Abschließend Positives hervorheben (zum Erhalt der Motivation). Ausnahme: der Teilnehmer ist bezüglich des Lehrgangsziels total ungeeignet.
  • Folgende Redewendungen vermeiden, besonders zu Beginn des Lehrgangs : „ Ja....., also.....“, „ ich soll euch etwas sagen, erzählen, beibringen....“
  • Stoff in kleinen Schritten vermitteln, überschaubare Aufgaben stellen : der Teilnehmer soll ein Kompetenzgefühl für den Stoff erhalten
  • den Teilnehmern aktiv zuhören (Kopf nicken, aufmunternde kurze Floskeln)
  • Teilnehmer oft mit Namen ansprechen (daher Namensschilder tragen lassen)

3.2 Tips für spezielle Situationen

3.2.1   Bremsen eines „Vielredners“, ohne ihn zu demotivieren :

Typ „Schwätzer“:
Bei erster Gelegenheit unterbrechen, dessen Aussage wiederholen („wenn ich dich richtig verstehe...“), dann hieraus Frage an alle formulieren und damit wieder die Kontrolle übernehmen.

Typ „Alleswisser“:
Ab und zu aktiv werden lassen, ihn unbemerkt zum „Assistenten“ machen. Nimmt er die richtige Antwort einer komplizierten Frage zu früh vorweg : Nicht-triviale Anschlußfrage an alle stellen und mit einem „wie ihr seht, müssen wir das noch deutlicher herausarbeiten“ im Thema fortfahren. Zum Schluß den „Assistenten“ nochmals kurz einbinden (dessen Konsens einholen).

Generell: Den Vielredner in einer Pause unter vier Augen ansprechen.

3.2.2   Bremsen von störenden internen Diskussionsrunden

Kurze allgemeine Pause verordnen, in der sich diese Diskussionen von selbst erledigen

4.Übungen  zur Verbesserung der eigenen Körpersprache

4.1 Im "Führungszirkel"

Nachbarn interviewen ( z.B. über dessen Person, dessen Motivation für seine Tätigkeit, etc.). Anschließend ca. einminütiger Vortrag, bei dem der Vortragende die Rolle seines Interviewpartners spielt und über „sich selbst“ spricht. Vortrag filmen und anschließend im Plenum diskutieren (Körpersprache ? Stimme ? Satzbau ? Sprechtempo ? Bewegungen ?)

4.2 Kontrolle beim Lehrgang

Während der eigenen Vortrags-Tätigkeit Kamera laufen lassen und eigenes Verhalten nachbearbeiten.

 

 

 

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 Letzte Aktualisierung:
6. April 2003

 

© Axel Beckmann