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Schiedsrichter | Förderung |Karriere

 

 

Quelle: Referee März 2001 / Autor: Kay Rooff-Steffen / Übersetzung: Axel Beckmann

 

 

Wie man bekommt, was man will

 

 

 

Erfolg ist einfach zu definieren, oder? Ein Ergebnis - normalerweise positiv. Es ist das, was Du möchtest. Natürlich läßt diese Definition viel Platz für Interpretationen. Ist Erfolg als Schiedsrichter, das perfekte Spiel zu leiten? Oder ist es in der Bundesliga zu pfefen? Egal was Deine Wünsche sind, wenn Du sie erreichen möchtest, musst Du Dich auf drei essentielle Dinge konzentrieren: Charakter, Ausbildung und Verläßlichkeit.
Auf der NASO-Konferenz in Colorado Springs vom 22. bis 26. Juni 2000 wurde das Thema "Erfolgreiches Pfeifen" von einem Diskussionsforum mit NCAA Division I Basketball-Schiedsrichter John Clougherty, Ohio High School Athletic Association Assistant Commissioner und Big 10 Football Schiedsrichter Hank Zaborniak und Big10 und NCAA National Coordinator für Football Referees Dave Parry diskutiert.
Diese drei in ihren eigenen Karierren sehr erfolgreichen Schiedsrichter haben über ihre Wege erzählt, wie sie ihre Ziele erreicht haben.

Hast Du Charakter?

Die Psychologie des Schiedsrichterns ist im heutigen Training sehr viel stärker in den Vordergrund getreten denn jemals zuvor. Clougherty, der seit 25 Jahren Division I Basketballspiele leitet, sieht dies als zugrundelegendes Thema, wenn er die "spezielle Seite" eines Schiedsrichterauftrittes beleuchtet. "Wenn ich mir anschaue, wer heute noch im Kader dabei ist und wer dabei war und dann gegangen ist, muss ich sagen, dass ich selten sagen kann, 'Der ist rausgeflogen, weil er Pfiffe verpasst oder schlechte gemacht hat'. Man kann es meistens zurückführen auf Ereignisse, die ihn in Schwierigkeiten gebracht haben, wie zum Beispiel sein Verhalten ausserhalb des Pfeifens."
Es ist häufig so, dass Referees, die für einen Aufstieg in Frage kommen, nicht unbedingt mehr richtige Entscheidungen treffen als andere. Vielmehr kommt es darauf an, dass sie Charakter beweisen: Ehrlichkeit, Vertrauen, Einstellung, Vorbereitung und die Fähigkeit mit Fehlern umgehen zu können.

Wenn er Schiedsrichter beobachtet, stellt Clougherty sich folgende Frage: "Sind sie ehrlich mit sich selbst und ihren Kollegen? Schiedsrichter müssen in der Lage sein, sich damit zu beschäftigen, wer sie sind und mit welchen Problemen sie selbst fertig müssen bzw. mit welchen Problemen sie bei anderen um Rat fragen müssen. Mit Dir selbst ehrlich zu sein ist der absolut wichtigste erste Schritt. Wenn zu Dir selbst nicht ehrlich bist, wirst Du es auch nicht zu anderen sein und ihr Vertrauen in Dich wird sinken.
Bevor Schiedsrichter für attraktive Spiele oder gewünschte Beförderungen nominiert werden, müssen sie von den Beobachtern und Ansetzern empfohlen werden. Diese Leute müssen in der Lage sein, den Schiedrichtern zu vertrauen, dass diese sie professionell vertreten können,
"Hank Nichols erzählte mir eines Tages, dass es einige Spiele in der NCAA gegeben hätte, die nicht gerade gut gepfiffen waren," berichtet Clougherty. "Als ich ihn nach dem Problem fragte, sagte er mir, dass in diesen Spielen der Crew Chief kein Vertrauen in seine beiden Kollegen gehabt habe." Vertrauen beeinflusst die Einstellung und die unmittelbare Leistung im Spiel. Nach einem Meeting mit dem Schiedsrichter-Supervisor der Big East Conference, der ein Camp für seine Referees leitet, haben sich die Eindrücke von Clougherty bestätigt. "Ich fragte ihn, wieviele 'Granaten'-Schiris er in seinem Camp hat und er antwortete, 'John, die Camps sind so oberflächlich, dass sie alle gut ausschauen. Ich habe keine Ahnung, ob sie pfeifen können oder nicht.' Er benötigte fast 1 Stunde, um mit potentiellen Kandidateen zu reden, wobei es nie um Basketball ging. Sie unterhalten sich nur über die Art, wie sie ihr Leben regeln."
Ansetzer wollen keine Schwierigkeiten mit Führerscheinentzug wegen Drunkenheit, Verfahren wegen illegaler Prostitution, Drogenmißbrauch oder anderen Straftaten haben. Egal wie gut Du als Schiedsrichter bist, wenn Du ernsthafte Charakterschwächen hast, werden sie Dich feuern. "Ich kenne Schiedsrichter, die wegen solcher Dinge rausgeschmissen wurden", erzählt Clougherty. Um erfolgreich und im Vorteil zu sein, zählt der Charakter. Die Schiedsrichter-Funktionäre müssen darauf vertrauen, dass ein Schiedsrichter sich auch außerhalb des Spielfeldes benimmt.
"Negative Gedanken sind wie eine Epidemie", meint Clougherty, "und sie sind ansteckend." Eine negative Einstellung hat Einfluß auf jeden in der Umgebung. Jeder Schidsrichter hat Lieblingshallen und Teams, die er am liebsten pfeift. "Wir haben problemlose Trainer und Kollegen, mit denen wir gerne zusammen sind. Das ist sehr positiv. Aber manchmal tritt das Gegenteil ein. Du musst stundenlang mit dem Auto fahren, um dann mit einem Kollegen zu pfeifen, den Du für einen Idioten hälst. Das Wetter ist schlecht und das Ligabüro bereitet eine Strafe gegen Dich aufgrund eines vorherigen Spiels vor. Diese negativen Einflüsse zeigen Wirkung bei Dir und machen das bevorstehende Spiel zu einem Negativerlebnis. Wenn das passiert, musst Du für Dich selbst herausfinden, wie Du alles zum Positiven wenden kannst.
Clougherty ermuntert die Schiedsrichter dazu, sich Videoaufnahmen von schlecht und gut gepfiffenen Spielen anzuschauen, um sie vergelichen zu können. Normalerweise stehen Teile des Erfolges und auch des Mißerfolges mit der mentalen Vorbereitung in Zusammenhang. "Jede Information, die Du bekommen kannst, um Fehler zu vermeiden, wird zum Erfolg führen.", rät Clougherty.
Wenn Fehler passieren, mach weiter. Schiedsrichter halten sich häufig zuviel an den alten Fehlern auf. "Ein Fehler hier, ein Fehler da und wir haben ein Unentschieden. Habe keine Angst, Fehler zu machen. Das kann passieren."
Die Alternative zum Begehen von Fehlern ist die Unentschlossenheit. Clougherty: "Wenn Du erstmal anfängst, unentschlossen zu sein und Dir dies zur Gewohnheit macht, bleibst Du stehen. Unentschlossenheit tötet Dich."
Clougherty, der 11 Final Four Spiele gepfiffen hat, fügt hinzu: "Es gibt keinen Ersatz für die Vorbereitung." Vorbereitung beinhaltet nicht nur physische Fitness, sondern auch mentale.
Mentale Präparation ist etwas, an dem Schiedsrichter arbeiten müssen. Um vorbereitet sein, muss man die Regeln kenne. "Wenn Du denkst, 'Wenn irgendwas schief geht, nutze ich meinen gesunden Menschenverstand und entscheide, was fair ist.' gerätst Du in eine Zwickmühle, meint Clougherty. "Ich habe viele Spiele gepfiffen und es gab Abende, wo ich mir sagte, 'Das ist nicht richtig, das ist nicht fair.' Das macht nichts, da Du nach den Regeln vorgehen musst.

Ausbildung - Weißt Du es?

Die Regel sind nur der erste Teil der Ausbildung. Die Teilnehmer der NASO-Konferenz waren sich einig, dass eines der größten Probleme des heutigen Schiedsrichterwesens darin besteht, dass mehr Leute mit dem Pfeifen aufhören als Schiedsrichter nachrücken. Für diejenigen, die das Pfeifen lieben, ist es kaum verständlich, warum Schiedsrichter ihren Job nicht mit dem höchsten Interesse und Einsatz weiterbetreiben. Für Zaborniak werden Rookies zu Erfahrenen, weil es ihnen Spass macht zu pfeifen. "Damit wir die Leute an einen Punkt bringen, wo es ihnen Spass macht, müssen wir sie trainieren," sagt er. "Durch unser Training erhalten sie Selbsvertrauen und gehen mit Spass aufs Spielfeld."

Zaborniak, der einer der führenden Entwickler von Fortbildungsprogrammen für Schiedsrichter ist, stellt drei Komponenten in den Vordergrund: anfängliches Training, fortlaufende Weiterbildung und koordinierte Schritte.
Im Rückblick habe sich Schiedsrichter bezüglich des Trainings und der Fortbildung immer auf on-the-job-Training konzentriert, wobei Regeln und Technik im Vordergrund gestanden haben. "In der heutigen Welt ist das nicht genug", meint Zaborniak. Die Erwartungen an die Schiedsrichter sowohl in den Profi- als auch in den Amateurligen sind größer denn je.
In Ohio versucht man diesen Erwartungen mit einem 30-Stunden-Programm für Neulinge zu begegnen, in dem sowohl Theorie als auch Praxis gepaukt wird und Tests geschrieben werden. "Wenn diese Leute unser Training beendet haben, sollen sie sich kompetent genug fühlen, um auf unserem niedrigsten Niveau zu bestehen," erklärt Zaborniak. Vor diesem Programm hat man in Ohio durch eine Studie herausgefunden, dass 78% aller Schiedsrichter in den ersten drei Jahren wieder aufgehört haben. Noch hat das relativ neue Programm noch nicht beweisen können, dass es erfolgreich ist, aber Zaborniak ist optimistisch.
"Wir brauchen ein umfassendes Erziehungs- und Trainingsprogramm für alle Schiedsrichter, so dass sie auch noch nach langer Zeit Spass an der Sache haben," sagt Zaborniak. So sollen diese Programme nicht nur die Schiedsrichter in ihre regionalen Verbände einbeziehen, sondern sie auch für die sich ändernden rechtlichen Aspekte ihres Jobs sensibilisieren.
Wie unterscheiden sich Programme für erfahrene Schiedsrichter von denen für Neulinge? Zaborniak erzählt, dass seine Leute sich auf Kommunikationsfähigkeit und Einstellung konzentrieren. Jeder könne die Regeln lernen und es gibt keine Entschuldigung für uns, wenn wir sie nicht kennen. Aber jeder Schiedsrichter, vor allem die mit einer Vielzahl an Jahren Erfahrung, müsste kontinuierlich sein Wissen über effektive Kommunikation und positive Einstellung auffrischen.

Zaborniak verlangt von den Schiedsrichtern, dass sie sich an ihre eigene Zeit in der Jugend erinnern. "Als Du in dieser Phase warst, war es möglicherweise das wichtigste in Deinem Leben. Wir dürfen das als Schiedsrichter nicht vergessen, wir dürfen nicht in ein U14-Spiel reingehen und denken, 'Ach, das ist kein wichtiges Spiel', denn für die Kinder und den Trainer ist es das. Unsere Referees da draußen versehen eine wichtigen Job. Also müssen wir unseren erfahrenen Schiedsrichter teilweise das Feuer zurück in den Bauch bringen.

Nur durch Programme für neue Schiedsrichter, kontinuierlicher Fortbildung der erfahrenden Referees und die Einbindung der Einzelnen in die regionalen Schiedsrichter-Organisatioen wird das Scheidsrichterwesen einen wichtigen Schritt nach vorne machen, um der zunehmenden Nachfrage nach Schiedsrichtern gerecht zu werden. "Niemand von uns wäre beim Pfeifen geblieben, wenn er am Anfang gewußt hätte, wie wenig er wirklich weiß."

Verantwortlichkeit - Akzeptierst Du sie?

Wenn Du weißt, dass Du ein bestimmtes Level der Kompetenz erreicht hast, werden sie Dich an dieser messen. Dieses Thema wurde von Parry mehrfach in den letzten 10 Jahren diskutiert.

But once you know enough to have a level of competence, they're going to hold you to it. That's a theme Parry has discussed frequently in the past 10 years. Parry began his Big 10 supervisory role by conducting meetings with university athletic directors and coaches across the country to see how to improve working relationships between officials and coaches while maintaining professional standards of success.
__The people he spoke with agreed that the Big 10 needed to "create some kind of a system where our best officials would be rewarded," he said. Parry wanted to be able to have something down on paper, he explained, "so we could send those top people on to our bowls because they deserved to go." The same system would also serve to weed out officials who consistently rate low and don't measure up to expected standards. The result was a five-pronged evaluation in which officials were rated from 0-7, in the following categories: appearance, athleticism, judgment, poise and interpersonal skills.
__"When the official stepped out on to the field, did he look like an official?" Parry asked. "Did he have a clean hat? Were his shoes shined? Did his shirt fit? Did he look fit? Appearance is very important." It's key in conveying a positive first impression and professional image, suitable to someone in charge of managing a game.
__When it comes to athleticism, "We defined that as position, movement and coverage," said Parry. "Could he run? Could he get the angle? Could he be where he should be?" Parry recalled a meeting with Penn State's Joe Paterno: "When I sat down with him, Joe said, 'Look, I only want two things from your officials. Number one, I want them in position. Number two, I want them decisive.' And when you think about it, that covers a lot of sins, if you can do those two things."
__The Big 10 system weighted judgment three times as much as the other considerations because "that's really what's most important relative to the outcome of review of a play," said Parry. Officials must know what a foul is, and perhaps more importantly, they need to know what a foul is not. "We get in a lot more trouble in football when we would over-officiate the game as compared to when we would under-officiate it," said Parry.
According to Big 10 data, games that have 25, 30 or 35 fouls in them usually generate "lots and lots of complaints," he said. "On the other hand, when we have games in which the foul count is relatively low, we very seldom get complaints from the coaches," Parry observed.
__The fourth category on the officials' rating system is calm and poise. Parry explained, "Did the official look relaxed? Did he look like he belonged? Did he have a body language that said, 'Hey! I am glad to be here and I'm having a great time?'" One veteran college football coach told Parry, "If an official looked happy and relaxed, I was happy and relaxed. But if he looked manic and hyper and uptight, I just felt we were going to have some trouble with that official." People react to nonverbal behavior, stressed Parry. Therefore, officials need to have the ability to portray calmness and poise. It can influence the emotional tone of a game.
__Parry refers to the last category - interpersonal skills - as "people-handling skills." Can officials get along with each other? With coaches? With players? Can they be in stressful situations that are highly volatile and still communicate effectively? "There are times to keep your mouth shut," Parry said. He also recognized there are times when "you have to stand up and say something." It's how you say it that matters most. Parry encourages honesty, forthrightness and respect.
__Good personal skills are important within your officiating circle as well. Parry tells his people that their fellow officials are usually their best friends. "And probably for three hours on a Saturday afternoon, they may be the only friends you have," he said. He emphasizes the importance of meeting each other half way, doing little extra things to make a crew a team. "We pay our referees an extra $50 a game because we expect them to be on the phone sometime during the week talking to their other six crew members," he explained. Why does the Big 10 do that? According to Parry, the crew chief's job is to motivate others on the officiating crew and let them know he is there to help.
__Parry drove that point home with a story from his first NFL preseason game 26 years ago. "I had a call on the sideline that Grandma could have made from the cheap seats," he related. "It was a late hit out of bounds. Everybody in the stadium saw it and I threw the flag. It was nothing. But the umpire on the game, an old timer named Lou Palazzi, must have run 40 yards to come over and give me a big hug. He said, 'Great call, rookie, nice going. Keep it up.' I remember it as if it happened yesterday and as long as I think of Lou, I will always remember that one play when he went out of his way to pick me up."

Success is measurable, but it's only measurable by the person striving to attain it. You are the only one who knows what degree of success you're capable of or willing to go after.
__Zaborniak, Clougherty and Parry each have spent years getting to their current positions in the officiating community. And now, they're out there sharing what they know, helping others to get what they want out of officiating. "There are probably 150,000 interscholastic officials in this country. Probably double that number of recreation and youth league officials," Zaborniak told the assembled crowd at the NASO convention. "You've got to go out there and remind folks about accountability and about character, and the best way to do that is through educational and training programs."
__He also stressed that competent, informed officials cannot wait on the sidelines for others to learn on their own. "You've got to pick up the ball and go to them," he said, "You can't wait for somebody else to do it." Parry knows there is still plenty of room for improvement. "We are always looking for ways to get better," he stressed. Ultimately, a never-ending strive for excellence is the surest way to get what you want.

(Kay Rooff-Steffen has an M.A. in professional journalism and communication; chairs the department of communication and humanities at Eastern Iowa Community College District, Muscatine, Iowa. She writes frequently on topics relating to interpersonal communication, higher education, self-improvement, professional development and fitness.)

 

 

 

 

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 Letzte Aktualisierung:
Dezember 2001

 

© Axel Beckmann