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Regeln | Ausarbeitungen | Kontakte

 

 

Autor:  Rolf-Peter Schmitz / Quelle: BASKETBALL MAGAZIN Nr. 18 - 2003

 

 

Der schmale Grat
Defensiv- oder Offensivfoul -das ist hier die Frage 

 

 

OffensivfoulZwei Spieler sinken zu Boden - der Schiedsrichter entscheidet auf... Wohl keine andere Art von Kontakten im Basketball sorgt für so viel Zündstoff wie die Frage, ob es sich um ein Defensiv- oder ein Offensivfoul handelt.

Das Basketball Magazin hat nachgefragt und jemanden, der es wissen sollte, befragt: Roger Schwarz. Der 41 -Jährige ist seit Jahren BBL-Spitzenschiedsrichter und auch international erfahren. "Die richtige Beurteilung solcher Kontakte ist deswegen schwer, weil es viele knappe Entscheidungen gibt. Der richtige Blickwinkel des Schiedsrichters zur Situation ist ausschlaggebend," räumt auch Schwarz ein, dass es sich bei der Frage nach Offensiv- oder Defensivfoul um knifflige Entscheidungen für Referees handelt. Gemeinsam machen wir das Regelwerk verständlich.

Abb. 1

Abb. 2

Abb. 3

Abb.  4

Offensiv-Foul

Abb. 5

Abb. 6

Offensiv-Foul

Offensiv-Foul

Abb. 7

Abb. 8

Offensiv-Foul

Offensiv-Foul

Abb. 9

Abb. 10

Offensiv-Foul

Offensiv-Foul

Abb. 11

Abb. 12

Offensiv-Foul

Offensiv-Foul

Abb. 13

Abb. 14

Offensiv-Foul

Offensiv-Foul

Abb. 15

Abb. 16

Entscheidend ist zunächst die Frage, ob der verteidigende Spieler eine legale Verteidigungsposition einnimmt. Der  Verteidiger müsse dabei, so Schwarz, seinem Gegner mit dem Gesicht gegenüber und mit beiden Füßen auf dem Boden stehen (siehe Abb. 1).

Während eines Spiels kommt es aber nur selten vor, dass sich ein Verteidiger nicht bewegt. Was ist zu beachten? „Natürlich darf sich der Defensivspieler auch seitlich oder rückwärts bewegen. Wenn er seine Position zuerst eingenommen hat, ist das ein Offensivfoul (Charging)", erklärt der BBL-Referee. Anders verhält es sich hingegen, wenn der Verteidiger die Stelle auf dem Feld erst nach dem angreifenden Spieler erreicht. Roger Schwarz: „Man kann es sich ganz einfach merken: Entsteht der Kontakt des Verteidigers mit dem Angreifer unter den genannten Kriterien komplett auf der Vorderseite des Körpers, handelt es sich um ein Offensivfoul (Charging), entsteht er dagegen nicht auf der Vorderseite, liegt ein Defensivfoul (Blockieren) vor." (siehe Abb. 9-11).

Und noch ein Kriterium ist bei der Beurteilung durch die Referees entscheidend: Spieler mit Ball müssen auch damit rechnen, eng bewacht zu werden. Verteidiger brauchen weder Zeit noch Raum zu gewähren, wenn sie ihre legale Verteidigungsposition einnehmen. Dazu der Fachmann: „Der Verteidiger darf an einem Spieler mit Ball sogar mit dem Bruchteil einer Sekunde und mit dem kürzest möglichen Abstand eine Verteidigungsposition einnehmen - wenn es dabei zum Kontakt kommt, ist das ein Offensivfoul." (Abb. 10-11)

Ansichtssache

Schwierig sind Offensiv- und Defensivfouls zu beurteilen, wenn der Angreifer einen Pass von hinten von einem Mitspieler erhält und es dann zu Kontakten kommt. Und wieder gelten die bekannten Prinzipien: Wenn der Verteidiger die legale Verteidigungsposition eingenommen hat und der Offensivspieler nicht rechtzeitig anhalten kann, ist für den Kontakt der Angreifer verantwortlich (siehe Abb. 12-13). Und: „Hat der Dribbler keine andere Chance, an seinem Verteidiger oder auch an zwei Gegenspielern vorbeizukommen, als dabei einen Kontakt zu verursachen, ist auch hier der angreifende Spieler verantwortlich." (siehe Abb. 14) Aber wie verhält es sich bei Kontakten ohne Ball? Wenn ein Spieler eine legale Verteidigungsposition eingenommen hat, die es dem Angreifer ohne Ball ermöglicht, anzuhalten oder die Richtung zu wechseln, ist für mögliche Kontakte der Offensivspieler verantwortlich. Sollte der Verteidiger allerdings seine Position zu spät einnehmen, so dass sein Gegenspieler keine Chance mehr hat, den Kontakt zu vermeiden, trägt der Defensivspieler die Verantwortung (siehe Abb. 15-16).

Eine legale Verteidigungsposition erstreckt sich auch auf den Raum senkrecht über dem Verteidiger. Der verteidigende Spieler darf Arme und Hände über den Kopf heben oder senkrecht nach oben springen, solange er innerhalb eines gedachten Zylinders bleibt. Referee Schwarz: „Man denkt sich einfach einen Gymnastikreifen rund um diesen Spieler. Solange er innerhalb dieses gedachten Raumes bleibt, ist die Verteidigungsposition okay." (siehe Abb. 2).

Dazu einige Praxisbeispiele, die die Auswirkungen des so genannten Vertikalprinzips verdeutlichen: Hat der Verteidiger eine legale Position eingenommen und der angreifende Werfer springt vorwärts, so dass er einen Kontakt mit dem Verteidiger verursacht, handelt es sich um ein Offensivfoul. Dies gilt auch dann, wenn der Verteidiger, wie oben beschrieben, innerhalb seines gedachten Zylinders senkrecht hochspringt, (siehe Abb. 3 und 4).

In den Zylinder des Angreifers

Anders verhält es sich, wenn der angreifende Spieler zum Wurf ansetzt und der Verteidiger seine Arme in den Zylinder des Angreifers hinein hält. „Kommt es jetzt beim Sprungwurf zum Kontakt, so muß ein Defensivfoul gepfiffen werden," so Schwarz. „Aber wenn der Angreifer einen Wurf antäuscht, der Verteidiger deswegen senkrecht innerhalb seines eigenen Zylinders hochspringt und dann der Angreifer in den verteidigenden Spieler hinein dribbelt und den Kontakt verursacht, dann ist das ein Offensivfoul." (siehe Abb. 5-8)

 

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 Letztes Update:
28. Dezember 2002

 

© Axel Beckmann