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USA | Schiedsrichter

 

 

Quelle: hoopsref.com 6. Oktober 2002 Autor: Barry Rubinstein / Übersetzung: Axel Beckmann

 

 

NBA-Schiedsrichter Camps 2002

 

CrawfordDie Saison ist bereits voll am Laufen; die Trainer haben Ihre letzten Entscheidungen getroffen, die Spieler und Schiedsrichter haben ihre Trainingslager beendet. Die Schiedsrichter? Im Trainingslager? Betrachten wir uns das näher: Jeder kann ein bischen Hilfe gebrauchen, um in Spielform zu kommen. Auch wenn die Männer und Frauen in Grau keine Weltklasse-Athleten sind, so ist ihr Job doch mental und physisch anspruchsvoll, und so treffen sich die Schiedsrichter jedes Jahr um wieder ins Spiel zu kommen.

Willkommen zum jährlichen NBA Officials Training Camp, einer fünf Tage dauernden Angelegenheit. Und um die Wahrheit zu sagen, diese Veranstaltung als Trainingslager zu bezeichnen würde ihr nicht gerecht werden.

Auch wenn alle Refs eine Serie von Fitness-Tests über sich ergehen lassen und ein bestimmtes Gewicht einhalten müssen, ist Kondition im herkömmlichen Sinne nicht der Hauptinhalt. Vielmehr wird Wert auf eine Kombination aus Erfahrungsaustausch, Videokritik, Technologie-Seminar, Regelkunde und Psychologie gelegt, damit die 60 NBA Refs auf das gleiche Niveau für die neue Sason gehievt werden. Sie mögen zwar keine selbstmörderischen Sprints in einer überhitzten Halle laufen, es handelt sich aber auch weitem nicht nur um einen Kaffeeklatsch.

Es war ein langer Weg von den Mitt-60ern, wie sich Ed Rush, der frühere Schiedsrichter und heutige NBA Director of Officiating erinnert: "Das Programm damals sah so aus, dass wir in einem vierstündigen Meeting Salzstreuer auf einem Tisch hin und her bewegt haben, um bestimmte Sachen zu demonstrieren, und dann sind wir zum Pfeifen geschickt worden."

Mit Sicherheit ist dies nicht mehr das NBA Officials Training Camp der Vorväter. Das Programm beinhaltet keine Salzstreuer mehr, sondern ist gepfeffert mit Meetings und Seminaren von Tagesanbruch bis zur Abenddämmerung. Es reicht vom Computer-Training, Situationsbeurteilungen und Anschauen von Videomitschnitten zu Gebieten wie der Entwicklung einer "On-Court"-Persönlichkeit.

"Es ist tatsächlich wie jede andere Veranstaltung der Spieler," sagt Rush. "Wenn Du zu einem Training irgendeiner der Teams gehst, würdest Du auch am 1. Tag die Grundfertigkeiten trainieren und wiederholen. Wir machen das Gleiche. Wir behandeln die Beobachtungen, wir schauen auf bestimmte Spielsituationen und besprechen sie und bearbeiten Regeltests. Es geht alles um die Verbesserung unseres Erinnerungsvermögens. Die Essenz des Ganzen ist die Vervollkommenung unser Grundfertigkeiten."

Dieses Ziel wurde erreicht und übertroffen dank der immer wichtiger werdenden Rolle der Technologie. Jeder Schiedsrichter hat einen Laptop erhalten und ist aufgefordert, jeden Tag auf seine Website zu schauen. Wie Rush erklärt: "Wenn sie das Trainings Camp verlassen, ist es für sie obligatorisch, dass sie sich jeden Tag einloggen um Informationen zu erhalten. Wir haben quasi jeden Tag eine Geschäftsbesprechung, die entweder geschrieben Informationen oder auf Video aufgezeichnete Informationen beinhaltet.

Von den Schiedsrichtern wird erwartet, dass sie sich die Aufzeichnungen ihrer Spiele jede Nacht hinsichtlich ihrer Pfiffe und der Schiedsrichter-Technik anschauen. Häufig geht dies sogar schon unmittelbar während des Spiels. Wenn die Refs in der Halbzeit in ihre Kabine kommen, können sie zum Videorekorder gehen und sich die Spielszenen aus der ersten Hälfte anschauen.

Und das ist erst der Beginn. Rush hat zuhause ein Studio, in dem von jedem Spiel an jedem Tag die Spiele gespeichert werden, so dass ein sofortiger Untersuchungskreislauf in Gang gesetzt werden kann, sollten Fragen auftauchen. Da jeder Schiedsrichter auch mit einer Acht-Millimeter-VCR ausgerüstet ist, kann er oder sie das Band zusammen mit Rush zu jeder Tageszeit an jedem Ort anschauen.

"Schiedsrichter senden ihre Berichte mittels Laptop an mich," erzählt Rush, "so dass ich schon nach ungefähr einer Stunde nach dem Spiel nicht nur das Band habe, sondern auch von unseren Beobachtern Informationen erhalte. So habe ich nach wenigen Stunden ein wirklich effektives Check-and-Balance-System". Und wenn ich ein Video zusammen mit einem Schiedsrichter anschauen will, können wir es zu dem entsprechenden Punkt vorspulen, ich erkläre was passiert und er erläutert mir seine Sicht. Wir können das machen, wenn sie in Hotel nach dem Spiel angekommen sind. So haben wir alles, nur eben keinen Augenkontakt."

NBA Schiedsrichter können sich auf einer sicheren Website einloggen, die nur für ihre Augen bestimmt ist. Das hat großes Interesse bei den Trainern geweckt - so viel, dass die Schiedsrichter eine Trainer-Homepage eingerichtet haben, die mit allen Interpretationen und Richtlinien gefüllt wurde. Laut Rush ist diese Homepage ein Versuch, "die Überraschungen zu mindern und die Trainer wissen, was wir den Schiedsrichtern sagen. Sie können dies dann an ihre Spieler weitergeben."

Und andersherum funktioniert das auch. In diesem Jahr hat der Hall of Fame Coach Jack Ramsay eine Coach Clinic auf Video aufgezeichnet, so dass die Schiedsrichter ein Gefühl dafür bekommen, was die Spieler beigebracht bekommen und auf was sie achten müssen. Ein anderer Hall-of-Famer, Bob Lanier, berichtete den Schiedsrichtern über die Sichtweise der Spieler.

"Ich denke, dass es großartig war, unsere Schiedsrichter zu Coaching Clinics zu schicken und sie erzählen zu lassen, worauf Schiedsrichter achten, wie man ihren Respekt gewinnen kann und die Spieler wissen zu lassen, wie sie - ähnlich wie die Spieler und Trainer - ihr Bestes in den Spielen geben. Dadurch wurden neue Brücken in den Beziehungen geschlagen. Die Spieler müssen wissen, dass die Schiedsrichter Fehler machen, so wie jeder, aber dass sie nichts absichtlich tun."

Nichts von alledem wäre möglich, wenn nicht so viel Wert auf die Schulung der Persönlichkeit in den Camps gelegt würde. Zum zweitenmal wurde im NBA Officials' Training Camp Workshops unter der Leitung der Schiedsrichter-Veteranen Bob Delaney und Danny Crawford angeboten, die sich mit der Führungspersönlichkeit beschäftigten. In diesen Workshops werden die Schiedsrichter in kleine Gruppen aufgeteilt und diskutieren über den Basketball hinausgehende Dinge, die ihnen wichtig sind - ähnlich wie Selbstfindungsgruppen.

"Wir definieren unsere Rollen und verfeinern unsere Führungsqualitäten." sagt Crawford, der gerade aus einer derartigen Diskussionsgruppe gekommen war. "In der Session, die wir gerade hatten, war es wirklich gut zu sehen, wie sich die Leute öffnen. Es ist wirklich wie eine Gruppentherapie und ich lerne Dinge über meine Mitarbeiter - die ich seit 16 Jahre kenne - die ich nie wußte. Und so teilen wir alles miteinander und können besser miteinander umgehen."

"Nun könnte jemand sagen, was hat das alles mit Pfeifen zu tun?" fragt Stu Jackson, NBA Senior Vice President Basketball Operations. "Nun, das hat insofern eine ganze Menge mit Schiedsrichtern zu tun, als wir ein Vertrauenslevel etablieren, die Fähigkeit der Kommunikation untereinander schulen und die Methode, wie man ein Basketball-Spiel managt erlernen."

"Es gibt einen mentalen Teil des Spiels abseits vom strikten Pfeifen bestimmter Regelübertretungen, der die Glaubwürdigkeit des Schiedsrichters bei den Spielern und Trainern beeinflusst. Dies ist ein schwer zu lösendes Problem, aber wir versuchen dies zu erreichen, indem wir die Schiedsrichter in eine Situation zu bringen versuchen, wo sie wie Joey Crawford oder Danny Crawford oder Hugh Evans sind. Über Jahre hinweg haben es die genannten Schiedsrichter geschafft und dies war das Ergebnis harter Arbeit mit sich selbst und das Spiel hat davon profitiert.

Als Teil der Workshops musst jeder Schiedsrichter "Die 21 notwendigen Qualitäten einer Führungspersönlichkeit" von John Maxwell lesen und alle waren begeistert und wollten unbedingt Verbesserungen in allen Aspekten ihres Daseins erreichen.

"Es ist leicht jemanden anzugreifen, wenn es mal nicht so gut läuft," glaubt Delaney, der seit 1987 in der NBA pfeift. "Wir hoffen, dass diese Fertigkeiten nicht nur unseren Schiedsrichtern beruflich weiterhelfen, sonder dass dies auch ihr Privatleben positiv beenflusst und jeder ein besserer Mensch werden kann. Jedes Jahr möchtest Du Dich verbessern. Wenn Du jedes Jahr auf dem gleichen Level wieder herkommst, dann bist Du nichts weiter als ein 25-Jahre-Veteran mit einem Jahr Erfahrung. Du könntest aber auch ein 35-Jahre-Veteran mit 25 Jahren Erfahrung sein."

Vielleicht die beeindruckendste Präsentation lieferte der seit 24 Jahren aktive Joe Crawford, der offen über Persönlichkeit und Verhalten auf dem Feld und die Probleme, die er mit seinem eigenen Auftreten in den letzten Jahre hatte, sprach. "Du musst den Spielern und Trainern zeigen, dass Du Dich selbst unter Kontrolle hast. Du leitest das Spiel, aber Du musst auch Deine Emotionen kontrollieren. Manchmal habe ich diese Kontrolle verloren und für mich war das nicht gut, denn in dieser Situation erledgst Du nicht Deinen Job. Also habe ich daran kontinuierlich gearbeitet. Und dies ist nur eine Sache, die ich weiß - genauso wie ein Spieler oder Trainer genau wissen, dass sie einen Schwachpunkt haben, so ist dies mein Schwachpunkt.

Rush berichtet, dass "Joe eine ähnliche Präsentation in Chicago vor den Coaches abgehalten hat und diese sehr gut aufgenommen wurde. Da er so ehrlich war, hat er enorm an Glaubwürdigkeit gewonnen. Und er arbeitet kontinuierlich an diesen Dingen weiter. Wer kann ein besserer Referent sein, als jemand der zugibt, dass er dies nicht kann, aber daran arbeitet und die anderen auffordert, sich daran zu beteiligen?"

Said Rush, “Joe did a similar presentation in Chicago, with the coaches, and it was very well-received, and of course, he has tremendous credibility, because he’s so honest. And he’s continued to address and improve on those things. What better person to have in front the group than somebody that says, “I don’t have this yet, but we’re working at it, and why don’t you join me?”

Man kann sicher sein, dass die Camps ein Platz sind, wo die jüngeren Kadermitglieder versuchen die Gelegenheit zu nutzen, um von den erfahrenen Kollegen zu lernen. Aber manchmal läuft es auch andersherum, wie der 25-Jahre-Veteran Jess Kersey zugibt. "Wir füttern uns gegenseitig. Als ich hiermit angefangen habe, haben wir noch die Salzstreuer und diese kleinen Bretter mit den Magneten benutzt, heute machen wir alles mit Computern und natürlich war ich bis zum letzten Jahr nie ein Computer-Freak gewesen. Ich habe da schon noch meine Schwierigkeiten, aber meine jüngeren 'Brüder' wissen alles über die Technologie und sie unterrichten mich. Sie sind besser vorbereitet als wir das zu den Zeiten von Ed Rusch, mir selbst, Hugh Evans und Dick Bavetta waren. Wir hatten nicht die Programme, die diese jungen Schiedsrichter haben bevor sie zur NBA kommen. Also bringen sie eine ganze Menge auf meine und zu den Platten der Verteranen, so dass sie unseren Crews helfen, jedes Spiel besser zu werden, was ja das große Ziel für uns alle ist.

Wenn das Camp vorbei ist, sind die Schiedsrichter aufgeladen, konzentriert und bereit, um dem springenden Ball zu folgen, woimmer er hinreist.

"Dies ist mein 24. Camp", erzählt Joe Crawford. "Wenn ich den Spaß hierherzukommen verlieren sollte, werde ich nicht mehr kommen. Ich werde anrufen und sage: 'Ich bin fertig. Ich gehe in Rente.'

 

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Letzte Aktualisierung:
6. April 2003

 

© Axel Beckmann