|
Die
Saison ist bereits voll am Laufen; die Trainer haben
Ihre letzten Entscheidungen getroffen, die Spieler und
Schiedsrichter haben ihre Trainingslager beendet. Die
Schiedsrichter? Im Trainingslager? Betrachten wir uns
das näher: Jeder kann ein bischen Hilfe gebrauchen,
um in Spielform zu kommen. Auch wenn die Männer und
Frauen in Grau keine Weltklasse-Athleten sind, so ist
ihr Job doch mental und physisch anspruchsvoll, und
so treffen sich die Schiedsrichter jedes Jahr um wieder
ins Spiel zu kommen.
Willkommen
zum jährlichen NBA Officials Training Camp, einer fünf
Tage dauernden Angelegenheit. Und um die Wahrheit zu
sagen, diese Veranstaltung als Trainingslager zu bezeichnen
würde ihr nicht gerecht werden.
Auch
wenn alle Refs eine Serie von Fitness-Tests über sich
ergehen lassen und ein bestimmtes Gewicht einhalten
müssen, ist Kondition im herkömmlichen Sinne nicht der
Hauptinhalt. Vielmehr wird Wert auf eine Kombination
aus Erfahrungsaustausch, Videokritik, Technologie-Seminar,
Regelkunde und Psychologie gelegt, damit die 60 NBA
Refs auf das gleiche Niveau für die neue Sason gehievt
werden. Sie mögen zwar keine selbstmörderischen Sprints
in einer überhitzten Halle laufen, es handelt sich aber
auch weitem nicht nur um einen Kaffeeklatsch.
Es
war ein langer Weg von den Mitt-60ern, wie sich Ed
Rush, der frühere Schiedsrichter und heutige NBA Director
of Officiating erinnert: "Das Programm damals sah
so aus, dass wir in einem vierstündigen Meeting Salzstreuer
auf einem Tisch hin und her bewegt haben, um bestimmte
Sachen zu demonstrieren, und dann sind wir zum Pfeifen
geschickt worden."
Mit
Sicherheit ist dies nicht mehr das NBA Officials Training
Camp der Vorväter. Das Programm beinhaltet keine Salzstreuer
mehr, sondern ist gepfeffert mit Meetings und Seminaren
von Tagesanbruch bis zur Abenddämmerung. Es reicht vom
Computer-Training,
Situationsbeurteilungen und Anschauen von Videomitschnitten
zu Gebieten wie der Entwicklung einer "On-Court"-Persönlichkeit.
"Es
ist tatsächlich wie jede andere Veranstaltung der Spieler,"
sagt Rush. "Wenn Du zu einem Training irgendeiner
der Teams gehst, würdest Du auch am 1. Tag die Grundfertigkeiten
trainieren und wiederholen. Wir machen das Gleiche.
Wir behandeln die Beobachtungen, wir schauen auf bestimmte
Spielsituationen und besprechen sie und bearbeiten Regeltests.
Es geht alles um die Verbesserung unseres Erinnerungsvermögens.
Die Essenz des Ganzen ist die Vervollkommenung unser
Grundfertigkeiten."
Dieses
Ziel wurde erreicht und übertroffen dank der immer wichtiger
werdenden Rolle der Technologie. Jeder Schiedsrichter
hat einen Laptop erhalten und ist aufgefordert, jeden
Tag auf seine Website zu schauen. Wie Rush erklärt:
"Wenn sie das Trainings Camp verlassen, ist es
für sie obligatorisch, dass sie sich jeden Tag einloggen
um Informationen zu erhalten. Wir haben quasi jeden
Tag eine Geschäftsbesprechung, die entweder geschrieben
Informationen oder auf Video aufgezeichnete Informationen
beinhaltet.
Von
den Schiedsrichtern wird erwartet, dass sie sich die
Aufzeichnungen ihrer Spiele jede Nacht hinsichtlich
ihrer Pfiffe und der Schiedsrichter-Technik anschauen.
Häufig geht dies sogar schon unmittelbar während des
Spiels. Wenn die Refs in der Halbzeit in ihre Kabine
kommen, können sie zum Videorekorder gehen und sich
die Spielszenen aus der ersten Hälfte anschauen.
Und
das ist erst der Beginn. Rush hat zuhause ein Studio,
in dem von jedem Spiel an jedem Tag die Spiele gespeichert
werden, so dass ein sofortiger Untersuchungskreislauf
in Gang gesetzt werden kann, sollten Fragen auftauchen.
Da jeder Schiedsrichter auch mit einer Acht-Millimeter-VCR
ausgerüstet ist, kann er oder sie das Band zusammen
mit Rush zu jeder Tageszeit an jedem Ort anschauen.
"Schiedsrichter
senden ihre Berichte mittels Laptop an mich," erzählt
Rush, "so dass ich schon nach ungefähr einer Stunde
nach dem Spiel nicht nur das Band habe, sondern auch
von unseren Beobachtern Informationen erhalte. So habe
ich nach wenigen Stunden ein wirklich effektives Check-and-Balance-System".
Und wenn ich ein Video zusammen mit einem Schiedsrichter
anschauen will, können wir es zu dem entsprechenden
Punkt vorspulen, ich erkläre was passiert und er erläutert
mir seine Sicht. Wir können das machen, wenn sie in
Hotel nach dem Spiel angekommen sind. So haben wir alles,
nur eben keinen Augenkontakt."
NBA
Schiedsrichter können sich auf einer sicheren Website
einloggen, die nur für ihre Augen bestimmt ist. Das
hat großes Interesse bei den Trainern geweckt - so viel,
dass die Schiedsrichter eine Trainer-Homepage eingerichtet
haben, die mit allen Interpretationen und Richtlinien
gefüllt wurde. Laut Rush ist diese Homepage ein Versuch,
"die Überraschungen zu mindern und die Trainer
wissen, was wir den Schiedsrichtern sagen. Sie können
dies dann an ihre Spieler weitergeben."
Und
andersherum funktioniert das auch. In diesem Jahr hat
der Hall of Fame Coach Jack Ramsay eine Coach Clinic
auf Video aufgezeichnet, so dass die Schiedsrichter
ein Gefühl dafür bekommen, was die Spieler beigebracht
bekommen und auf was sie achten müssen. Ein anderer
Hall-of-Famer, Bob Lanier, berichtete den Schiedsrichtern
über die Sichtweise der Spieler.
"Ich
denke, dass es großartig war, unsere Schiedsrichter
zu Coaching Clinics zu schicken und sie erzählen zu
lassen, worauf Schiedsrichter achten, wie man ihren
Respekt gewinnen kann und die Spieler wissen zu lassen,
wie sie - ähnlich wie die Spieler und Trainer - ihr
Bestes in den Spielen geben. Dadurch wurden neue Brücken
in den Beziehungen geschlagen. Die Spieler müssen wissen,
dass die Schiedsrichter Fehler machen, so wie jeder,
aber dass sie nichts absichtlich tun."
Nichts
von alledem wäre möglich, wenn nicht so viel Wert auf
die Schulung der Persönlichkeit in den Camps gelegt
würde. Zum zweitenmal wurde im NBA Officials' Training
Camp Workshops unter der Leitung der Schiedsrichter-Veteranen
Bob Delaney und Danny Crawford angeboten, die sich mit
der Führungspersönlichkeit beschäftigten. In diesen
Workshops werden die Schiedsrichter in kleine Gruppen
aufgeteilt und diskutieren über den Basketball hinausgehende
Dinge, die ihnen wichtig sind - ähnlich wie Selbstfindungsgruppen.
"Wir
definieren unsere Rollen und verfeinern unsere Führungsqualitäten."
sagt Crawford, der gerade aus einer derartigen Diskussionsgruppe
gekommen war. "In der Session, die wir gerade hatten,
war es wirklich gut zu sehen, wie sich die Leute öffnen.
Es ist wirklich wie eine Gruppentherapie und ich lerne
Dinge über meine Mitarbeiter - die ich seit 16 Jahre
kenne - die ich nie wußte. Und so teilen wir alles miteinander
und können besser miteinander umgehen."
"Nun
könnte jemand sagen, was hat das alles mit Pfeifen zu
tun?" fragt Stu Jackson, NBA Senior Vice President
Basketball Operations. "Nun, das hat insofern eine
ganze Menge mit Schiedsrichtern zu tun, als wir ein
Vertrauenslevel etablieren, die Fähigkeit der Kommunikation
untereinander schulen und die Methode, wie man ein Basketball-Spiel
managt erlernen."
"Es
gibt einen mentalen Teil des Spiels abseits vom strikten
Pfeifen bestimmter Regelübertretungen, der die Glaubwürdigkeit
des Schiedsrichters bei den Spielern und Trainern beeinflusst.
Dies ist ein schwer zu lösendes Problem, aber wir versuchen
dies zu erreichen, indem wir die Schiedsrichter in eine
Situation zu bringen versuchen, wo sie wie Joey Crawford
oder Danny Crawford oder Hugh Evans sind. Über Jahre
hinweg haben es die genannten Schiedsrichter geschafft
und dies war das Ergebnis harter Arbeit mit sich selbst
und das Spiel hat davon profitiert.
Als
Teil der Workshops musst jeder Schiedsrichter "Die
21 notwendigen Qualitäten einer Führungspersönlichkeit"
von John Maxwell lesen und alle waren begeistert und
wollten unbedingt Verbesserungen in allen Aspekten ihres
Daseins erreichen.
"Es
ist leicht jemanden anzugreifen, wenn es mal nicht so
gut läuft," glaubt Delaney, der seit 1987 in der
NBA pfeift. "Wir hoffen, dass diese Fertigkeiten
nicht nur unseren Schiedsrichtern beruflich weiterhelfen,
sonder dass dies auch ihr Privatleben positiv beenflusst
und jeder ein besserer Mensch werden kann. Jedes Jahr
möchtest Du Dich verbessern. Wenn Du jedes Jahr auf
dem gleichen Level wieder herkommst, dann bist Du nichts
weiter als ein 25-Jahre-Veteran mit einem Jahr Erfahrung.
Du könntest aber auch ein 35-Jahre-Veteran mit 25 Jahren
Erfahrung sein."
Vielleicht die beeindruckendste
Präsentation lieferte der seit 24 Jahren aktive Joe
Crawford, der offen über Persönlichkeit und Verhalten
auf dem Feld und die Probleme, die er mit seinem eigenen
Auftreten in den letzten Jahre hatte, sprach. "Du
musst den Spielern und Trainern zeigen, dass Du Dich
selbst unter Kontrolle hast. Du leitest das Spiel, aber
Du musst auch Deine Emotionen kontrollieren. Manchmal
habe ich diese Kontrolle verloren und für mich war das
nicht gut, denn in dieser Situation erledgst Du nicht
Deinen Job. Also habe ich daran kontinuierlich gearbeitet.
Und dies ist nur eine Sache, die ich weiß - genauso
wie ein Spieler oder Trainer genau wissen, dass sie
einen Schwachpunkt haben, so ist dies mein Schwachpunkt.
Rush
berichtet, dass "Joe eine ähnliche Präsentation
in Chicago vor den Coaches abgehalten hat und diese
sehr gut aufgenommen wurde. Da er so ehrlich war, hat
er enorm an Glaubwürdigkeit gewonnen. Und er arbeitet
kontinuierlich an diesen Dingen weiter. Wer kann ein
besserer Referent sein, als jemand der zugibt, dass
er dies nicht kann, aber daran arbeitet und die anderen
auffordert, sich daran zu beteiligen?"
Said Rush,
“Joe did a similar presentation in Chicago, with the coaches, and it was very
well-received, and of course, he has tremendous credibility, because he’s so
honest. And he’s continued to address and improve on those things. What better
person to have in front the group than somebody that says, “I don’t have this
yet, but we’re working at it, and why don’t you join me?”
Man
kann sicher sein, dass die Camps ein Platz sind, wo
die jüngeren Kadermitglieder versuchen die Gelegenheit
zu nutzen, um von den erfahrenen Kollegen zu lernen.
Aber manchmal läuft es auch andersherum, wie der 25-Jahre-Veteran
Jess Kersey zugibt. "Wir füttern uns gegenseitig.
Als ich hiermit angefangen habe, haben wir noch die
Salzstreuer und diese kleinen Bretter mit den Magneten
benutzt, heute machen wir alles mit Computern und natürlich
war ich bis zum letzten Jahr nie ein Computer-Freak
gewesen. Ich habe da schon noch meine Schwierigkeiten,
aber meine jüngeren 'Brüder' wissen alles über die Technologie
und sie unterrichten mich. Sie sind besser vorbereitet
als wir das zu den Zeiten von Ed Rusch, mir selbst,
Hugh Evans und Dick Bavetta waren. Wir hatten nicht
die Programme, die diese jungen Schiedsrichter haben
bevor sie zur NBA kommen. Also bringen sie eine ganze
Menge auf meine und zu den Platten der Verteranen, so
dass sie unseren Crews helfen, jedes Spiel besser zu
werden, was ja das große Ziel für uns alle ist.
Wenn
das Camp vorbei ist, sind die Schiedsrichter aufgeladen,
konzentriert und bereit, um dem springenden Ball zu
folgen, woimmer er hinreist.
"Dies
ist mein 24. Camp", erzählt Joe Crawford. "Wenn
ich den Spaß hierherzukommen verlieren sollte, werde
ich nicht mehr kommen. Ich werde anrufen und sage: 'Ich
bin fertig. Ich gehe in Rente.'
|