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Das Ehepaar Schluchter aus der Schweiz leitet sogar Europapokal-Spiele
BASEL. Am rustikalen Ecktisch des "Fröhlichen Rheinfelder Hofes" in
Basel geht es gemütlich zu. Sie lehnt sich zärtlich an seine Schulter, er schaut
ihr liebevoll in die Augen. Erst die Bedienung stört das traute Glück und bringt
Straußensteak mit Kräutern. Sie sind Genießer. Wie alle in der Schweiz.
Eigentlich sehen Vroni und Andreas Schluchter aus wie ein ganz
normales Paar. Trotzdem sind sie anders als alle anderen auf dieser Welt. Einmal
gelten sie als Traumpaar. Er als Western Revolverheld, der "schneller zieht als
John Wayne" wie das Boulevardblatt "Blick" blumig schrieb. Sie als
Vampverschnitt und mysteriöse "Lady in Black".
Manchmal werden sie herzhaft beschimpft. "Vroni, du Drecksau"
brüllen die Fußballfans im Stadion, wenn sie die Fahne unten lässt. Sie sieht
selten ein Abseits nicht, aber es kommt vor. "Ach, der Schluchter und seine
Alte" heißt es abfällig. Es wäre ein Wunder, wenn so ein Paar nicht für
Schlagzeilen sorgen würde. Er Schiedsrichter und sie "seine"
Linienrichterin.
Vroni und Andreas Schluchter aber sind verheiratet. Mann und Frau in
schwarzer Kluft. Ein Teil des Ehelebens unter ständiger Beobachtung, eingezwängt
in starre Regeln. Eine so exotische Kombination, einmalig im Fußball. Es war
1999 in Skopje, als der Mann an der Hotelrezeption ihnen zwei Schlüssel in die
Hand drückte. Zwei Einzelzimmer für das Ehepaar aus der Schweiz. So ein Leben
mit Ecken und Kanten. Manchmal endet es in getrennten Betten. Und sie lehnt sich
an seine Schulter, er schaut sie liebevoll an. Etwas Melancholie, das leisten
sich auch Schiedsrichter. "Meistens bekommen wir ein Doppelzimmer", erzählt
Vroni. Andreas grinst. Selbst die gestrengen Herren der Uefa überlegten lange,
ob so ein Doppelzimmer mit Paragrafen und Statuten zu vereinbaren sei ...
Die Schluchters haben für viel Wirbel gesorgt. Die Kommission der
Schweizer Schiedsrichter macht sich über sie Gedanken. "Sollte einmal ein
Entscheid untersucht werden, könnte es juristische Probleme geben, weil die
beiden verheiratet sind. "Wir werden diese Besonderheit diskutieren", sagte Paul
Krähenbühl, der Präsident der "Ref-Kommission", einmal.
"Die", sagt Andreas, "schauen einfach, wie es läuft". Sie werden mehr geduldet
als geliebt. "Die Schiedsrichter-Kollegen stehen hinter
uns", sagen sie. Sonst das Übliche: Einmal ist er die "Flasche", einmal sie. Die
Kritik kommt versteckt. Oft aber gibt es Szenenapplaus. Eine Mischung aus
Respekt und Verwunderung begleitet sie. Aber "bei einigen anderen habe ich schon
den Eindruck, sie wollen mich nicht in der Liga haben", erzählt Vroni. "Ich
merke nur, dass über mich mehr diskutiert wird als über andere
Linienrichter."
Vor acht Jahren pfiffen sie das erste Mal zusammen und starteten
nach der Partie zwischen Genf und Bern in der Nationalliga A 1992 ihren einsamen
Triumphzug gegen Vorurteile und Anfeindungen. "Man konnte seinen Linienrichter
wählen", sagt er. Seit 1995 sind beide Fifa-Refs, 1997
pfiffen sie ihr erstes Europapokalspiel. "Die Zeitungen, das Fernsehen und die
Funktionäre haben mehr Probleme mit uns als wir selbst", sagt der "Andy". Daheim
gibt es keinen Krach. "Auch wenn mal ein Spiel in die Hose geht, wir können das
gut trennen." Oliver Trust |