|
Der
Ball flog gerade nach oben und flatterte einen Moment
am höchsten Punkt. Es war eine schöne Sache. Zumindest
in meiner Erinnerung. Die Spieler, die an diesem Sprungball
teilnahmen, waren auf der anderen Siete eher ein Wirrwarr
aus Armen, Beinen und Körpern, die eher daran interessiert
waren, sich gegenseitig vom Ball fern zu halten, als
diesen (wie er da in seiner ganzen Bracht in der Luft
flatterte) zu erreichen.
Es
war am Ende des letzten Viertels in einem Vorbereitungsspiel
1992. Das Spiel war längst entschieden. Aber das zählte
nicht für mich. Ich befand mich auf einem NBA Spielfeld
und hatte die Gelegenheit, meine Pfeiferei in
eine berufliche Karriere zu verwandeln. Ich wollte,
dass meine Leistung perfekt war. Auch wenn ich diese
Möglichkeit schon im ersten Viertel vergeben hatte,
so wollte ich doch wenigstens diesen Sprungball perfekt
ausführen. Wären da nicht diese beiden Schurken gewesen.
Nicht mal eine Rasierklinge hätte unter ihre Schuhe
gepasst während des Sprungballs. Innerhalb der Zehntelsekunde,
bevor der Ball ohne menschliche Berührung wieder auf
dem Boden landete, wusste ich, dass der Pfiff laut und
klar kommen würde. Er kam.
Nichts,
worüber man sich Sorgen machen müsste. Der erste Sprungball
klopfte trotzdem an die Tür der Unsterblichkeit - seine
Schönheit war unbeschreiblich. Es sollte kein Problem
sein, diesen zu wiederholen. Nur, als ich den Kreis
für den zweiten Versuch betrat, schrie ein Fan, dass
man vielleicht jemanden aufs Feld holen sollte, der
wusste wie man einen Sprungball auführt. Er scherzte
wohl. Hatte dieser Fan nicht begriffen, dass er Zeuge
einer Aktion war, die so nahe an der Perfektion wie
eine Geburt war (zumindest in meiner Erinnerung)? Der
Hauch eines Zweifels wehte in den Mittelkreis. War es
tatsächlich möglich, dass ich der Grund für die Wiederholung
des Sprungballs war? Nein! Er war zu schön! Zumindest
in meiner Erinnerung.
Aber
die Pflicht rief und der zweite Sprungball begann, wenn
auch mit etwas mehr Anspannung. Ich betrat den Kreis
und warf den Ball so schlecht, dass zwei 10-Jährige
den Ball mit den Ellbogen erreicht hätten. Glücklicherweise
setzten meine beiden Kontrahenten ihren Kampf fort und
produzierten eine Szene, die meine mißlungene Aktion
unwesentlich erschienen ließ. Ich wollte sie beide küssen.
Der zweite Pfiff kam somit noch schneller als der erste.
Wir
befanden uns nun exakt im Zwielicht des Sprungballs.
Ein Raunen war im Publikum zu hören. Ich ging in den
Kreis mit nur einem Ziel - nicht zu niedrige werfen.
Mission ausgeführt. Zu sagen, dass kein NBA Spieler
diesen Ball mit einer Stufenleiter erreicht hätte, ist
vielleicht eine leichte Übertreibung, aber andererseits
auch wieder nicht. Der dritte Pfiff kam bevor der Ball
den Boden wieder erreicht hatte. Diesmal hatte ich kein
Glück und konnte der Blamage nicht entrinnen. Die beiden
Springer standen wie angewurzelt als diese Eruption
eines Sprungballes in die Luft zu steigen begann. Die
Beiden starrten auf mich als ob ich zwei Köpfe hätte.
Diesmal
kam es lauter: "Hey! Wie wäre es mit einem Schiedsrichter,
der wenigsten schon mal einen Sprungball gesehen hat!.
In diesem Moment war ich mir sicher, dass meine Karriere
vorbei war und ich gezwungen wäre in Estland zu arbeiten,
wo ich Sprungbälle bis in alle Ewigkeit werfen könnte.
Ich betrat den Kreis für Sprungball Nummer Vier mit
dem Selbstvertrauen einer Maus, die sich den Käse holen
will. Gottseidank erreichte dieser Sprungball nicht
die Decke, aber die zwei Spieler sprangen derart ineinander,
dass man sie danach kaum noch auseinander halten konnte.
Da waren wir ja schon einmal. Der vierte Pfiff klang
astrein.
Beim
fünften Versuch ging ich in den Kreis mit einer Ruhe,
die Hannibal Lexter neidisch gemacht hätte und warf
den Ball gerade und sauber nach oben, beobachtete wie
er für einen kurzen Moment in der Luft stehen blieb,
mit den Gesetzen der Natur flirtend, mit der Perfektion
an sich flirtend - als ob wir alle von Zeit zu Zeit
einen flüchtigen Blick auf die Tür zur Perfektion werfen
könnten. Die Spieler sprangen sauber, mühelos und höher
als sie es jemals taten oder tun werden und berührten
diesen reinen und geraden Sprungball in einer Kombination
aus athletischer Leistung, wie sie noch nie zuvor gesehen
wurde. Das Publikum jubelte lauter als zu jedem anderen
Zeitpunkt des Spiels und alles war wieder in Ordnung
auf der Welt. Zumindest in meiner Erinnerung.
Monty
McCutschen ist seit 1992 NBA Schiedsrichter. Er lebt
in Pipe Creek, Texas.
|