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Schiedsrichter | Porträts | Fussball

 

 

Quelle: www.rundschau-online.de 14. November 2003 / Von Micaela Taroni

 

 

Collina als Sympathie- & Werbeträger

 

Rom - Er ist ein Star und lässt die Fußball-Profis nach seiner Pfeife tanzen: Pierluigi Collina, der Fußball-Schiedsrichter mit der Glatze, tritt nicht nur in den berühmtesten Stadien der Welt auf, sondern ist auch zu einem Fixstern am internationalen Werbefirmament geworden. Der 43-Jährige aus der toskanischen Kleinstadt Viareggio ist zu einem der begehrtesten Werbeobjekte aufgerückt. Der Mann mit den rollenden Augen ist ein Liebling der Werbeagenturen, die bereit sind, enorme Summen auszugeben, um ihn unter Vertrag zu nehmen.

In Italien wirbt Collina für tiefgekühlte Lebensmittel, Sportschuhe und Herrenkleidung, seit einigen Tagen sogar für rosa Toilettenpapier. Ein Spot, in dem er zusammen mit einem lustigen außerirdischen Monster auftritt und tiefgefrorene Crepes verschlingt, ist in Italien in wenigen Tagen zu einem Kult geworden. Auch in der Spotserie des neuen Bezahlsenders Sky Italia ist der Schiedsrichter der unbestrittene König.

Für einen Werbespot kassiert der Schiedsrichter mit dem stechenden Blick rund 100.000 Euro. "Collina hat um sein Image ein Wirtschaftsimperium aufgebaut. Der beste Schiedsrichter der Welt verdient schon wie ein Fußballstar", berichtete die römische Tageszeitung Il Messaggero, die Collinas jährliche Einnahmen auf 580.000 Euro taxiert.

Nur die Hälfte davon verdient er durch seine Tätigkeit als Referee. Über 250.000 Euro kassiert er mit Werbung und 100.00 Euro dank seiner Arbeit als Finanzberater. Hinzu tritt er häufig als Model für die römische Nobeldesignerin Laura Biagiotti auf, deren eleganten Anzüge er leidenschaftlich trägt.

Werbung beschert Collina auch im Ausland großen Erfolg. Überall in Japan lächelt er von Werbeplakaten, im Fernsehen war er öfter in Werbespots für den deutschen Sportartikel-Hersteller adidas mit den Stars Zinedine Zidane und Raul zu sehen, was ihm jedoch im vergangenen Jahr einige Probleme beschert hatte.

Die vom adidas-Konkurrenten Nike ausgerüsteten Spieler der brasilianischen Nationalmannschaft behaupteten, Collina könne im WM-Finale gegen Deutschland in Yokohama die Interessen seines Sponsors aus Herzogenaurach verfolgen. Doch der Glatzkopf bestand auch diesen Härtetest und war vor Jahresfrist einer der souveränsten Leute im International Stadium von Yokohama beim WM-Endspiel.

Collina ist nicht zu bremsen. Kürzlich veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel "Die Regeln des Fußballs", das bei der Frankfurter Buchmesse vorgestellt und in neun Sprachen übersetzt wurde. Immer häufiger hält er Seminare an italienischen Universitäten. Hinzu kümmert er sich persönlich um die Kontakte mit seinem Fan-Klub über die eigene Homepage (http://www. pierluigicollina.it).

Das turbulente Leben Collinas, der durch eine Stoffwechselkrankheit sein Haare verlor, darf nicht beirren. Der zweifache Familienvater und promovierte Ökonom, der Italienisch, Spanisch, Französisch und Englisch spricht, versichert, dass trotz seiner vielfältigen Tätigkeiten Fußball weiterhin seine Priorität bleiben wird. "Ich liebe neue Herausforderung, doch Fußball ist mein Leben", lautet das Motto Collinas, der bereits fünfmal zum besten Schiedsrichter der Welt gekürt wurde.

Nur einmal wirkte er im übrigen in seiner Karriere als Unparteiischer ein wenig konsterniert: Als er vor Jahren ausgerechnet vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) einen Föhn als Präsent überreicht bekam ... (sid)

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
17. November 2003

 

© Axel Beckmann