Rom - Er ist ein Star und lässt die Fußball-Profis nach seiner
Pfeife tanzen: Pierluigi Collina, der Fußball-Schiedsrichter mit der Glatze,
tritt nicht nur in den berühmtesten Stadien der Welt auf, sondern ist auch zu
einem Fixstern am internationalen Werbefirmament geworden. Der 43-Jährige aus
der toskanischen Kleinstadt Viareggio ist zu einem der begehrtesten Werbeobjekte
aufgerückt. Der Mann mit den rollenden Augen ist ein Liebling der
Werbeagenturen, die bereit sind, enorme Summen auszugeben, um ihn unter Vertrag
zu nehmen.
In Italien wirbt Collina für tiefgekühlte Lebensmittel, Sportschuhe und
Herrenkleidung, seit einigen Tagen sogar für rosa Toilettenpapier. Ein Spot, in
dem er zusammen mit einem lustigen außerirdischen Monster auftritt und
tiefgefrorene Crepes verschlingt, ist in Italien in wenigen Tagen zu einem Kult
geworden. Auch in der Spotserie des neuen Bezahlsenders Sky Italia ist der
Schiedsrichter der unbestrittene König.
Für einen Werbespot kassiert der Schiedsrichter mit dem stechenden Blick rund
100.000 Euro. "Collina hat um sein Image ein Wirtschaftsimperium aufgebaut. Der
beste Schiedsrichter der Welt verdient schon wie ein Fußballstar", berichtete
die römische Tageszeitung Il Messaggero, die Collinas jährliche Einnahmen auf
580.000 Euro taxiert.
Nur die Hälfte davon verdient er durch seine Tätigkeit als Referee. Über
250.000 Euro kassiert er mit Werbung und 100.00 Euro dank seiner Arbeit als
Finanzberater. Hinzu tritt er häufig als Model für die römische Nobeldesignerin
Laura Biagiotti auf, deren eleganten Anzüge er leidenschaftlich trägt.
Werbung beschert Collina auch im Ausland großen Erfolg. Überall in Japan
lächelt er von Werbeplakaten, im Fernsehen war er öfter in Werbespots für den
deutschen Sportartikel-Hersteller adidas mit den Stars Zinedine Zidane und Raul
zu sehen, was ihm jedoch im vergangenen Jahr einige Probleme beschert hatte.
Die vom adidas-Konkurrenten Nike ausgerüsteten Spieler der brasilianischen
Nationalmannschaft behaupteten, Collina könne im WM-Finale gegen Deutschland in
Yokohama die Interessen seines Sponsors aus Herzogenaurach verfolgen. Doch der
Glatzkopf bestand auch diesen Härtetest und war vor Jahresfrist einer der
souveränsten Leute im International Stadium von Yokohama beim WM-Endspiel.
Collina ist nicht zu bremsen. Kürzlich veröffentlichte er ein Buch mit dem
Titel "Die Regeln des Fußballs", das bei der Frankfurter Buchmesse vorgestellt
und in neun Sprachen übersetzt wurde. Immer häufiger hält er Seminare an
italienischen Universitäten. Hinzu kümmert er sich persönlich um die Kontakte
mit seinem Fan-Klub über die eigene Homepage (http://www. pierluigicollina.it).
Das turbulente Leben Collinas, der durch eine Stoffwechselkrankheit sein
Haare verlor, darf nicht beirren. Der zweifache Familienvater und promovierte
Ökonom, der Italienisch, Spanisch, Französisch und Englisch spricht, versichert,
dass trotz seiner vielfältigen Tätigkeiten Fußball weiterhin seine Priorität
bleiben wird. "Ich liebe neue Herausforderung, doch Fußball ist mein Leben",
lautet das Motto Collinas, der bereits fünfmal zum besten Schiedsrichter der
Welt gekürt wurde.
Nur einmal wirkte er im übrigen in seiner Karriere als Unparteiischer ein
wenig konsterniert: Als er vor Jahren ausgerechnet vom Deutschen Fußball-Bund
(DFB) einen Föhn als Präsent überreicht bekam ... (sid)