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Schiedsrichter | Porträts | Fussball

 

 

Quelle: www.faz.net

 

 

Menschen
„Kojak“ Collina: Einsatz in Yokohama

 

 

Collina: Wer hat Angst vorm Mann in schwarz?

27. Juni 2002 Die Wahl erscheint logisch, denn er prägt das gegenwärtige Bild des Fußball-Schiedsrichters wie kein Zweiter: Pierluigi Collina (42) aus Italien pfeift am Sonntag das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Rekord-Weltmeister Brasilien und Deutschland. Der Kahlkopf steht im Ruf, einer der Besten seiner Zunft zu sein, wenn nicht gar der Beste.

Denn „Kojak“ hat in der Regel alles und alle im Griff: das Spiel, die kleinen Ganoven mit ihren versteckten Fouls, die großen Verbrecher im Strafraum - und populär wie ein TV-Star ist die glatzköpfige Kult-Pfeife mit den Glupschaugen ohnehin. „Vielleicht  liegt das an meinen blauen Augen“, sagt er grinsend.

Seine Starallüren zeigt er auch deutlich auf seiner Website. Da posiert er im grauen Anzug am Strand, bietet Einblicke in sein Leben und dokumentiert ausführlich seine Biografie als Schiedsrichter, die 1977 begann. Wirklich jedes Spiel ist aufgelistet. Von der untersten italienischen Liga bis zum Champions League-Finale. Für seine Leistungen mit der Pfeife wurde er mehrfach ausgezeichnet. Der Fußball-Weltverband Fifa kürte ihn bereits dreimal zum besten Schiedsrichter der Welt.

Der Mann mit dem bösen Blick

Collina gilt als Mann mit dem bösen Blick. Ich erschrecke mich manchmal selbst, wenn  ich mich im Fernsehen sehe“, sagt er über sich selbst. „Aber vor mir braucht keiner Angst zu haben“, beruhigt er. Denken sie an Collina, dürften bei Rudi Völler und seinen Spielern allerdings die Alarmglocken schlagen: Der Finanzberater aus Viareggio war mit der Leitung des WM-Qualifikationsspiels zwischen  Deutschland und England (1:5) im vergangenen September in München  betraut. Rund ein Jahr zuvor pfiff er außerdem das Vorrundenspiel der EM-Endrunde zwischen Deutschland und England (0:1).

Denkwürdige Spiele mit deutschen Mannschaften sind offenbar ohnehin Schicksal des Italieners: Im Mai 1999 in Barcelona ließ Collina, dem seit einer Stoffwechselkrankheit vor zehn Jahren keine Haare mehr wachsen, die Uhr beim Finale in der Champions League so  lange laufen, dass Manchester United nach Ablauf von 90 Minuten noch zu zwei Treffern gegen Bayern München kam.

Kritiken für Collina, der fließend Englisch, Französisch und Spanisch beherrscht, sind  aber eher selten. Und darauf vorbereitet ist der Glatzkopf, dem der Deutschen Fußball-Bund (DFB) vor einem Länderspiel als Gastgeschenk mal einen Fön überreichte, allemal. „Es gehört schon ein bisschen  Masochismus zum Schiedsrichter-Sein“, sagt er.

„Unperfekte Sportart Fußball“

Der Selbstqual bei der, wie er betont, „unperfekten Sportart  Fußball“, setzt sich Collina international seit 1995 aus. Um Fehler zu reduzieren, wird er sich auf das Endspiel mit gewohnter Akribie vorbereiten. „Ein guter Schiedsrichter muss alles über die beiden Teams wissen. Ihre Taktik und die Eigenschaften all ihrer Spieler. Nur so kann man halbwegs sicher sein, richtig zu reagieren.“

Das Finale wird Collinas letzte WM-Partie sein. Bei der Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 hätte er das Alterslimit von 45 Jahren schon knapp überschritten. In Yokohama trifft er im Übrigen auf alte Bekannte: Christian Ziege und Oliver Bierhoff. Sie waren dabei, als Collina sein erstes Länderspiel pfiff: am 24. April 1996 in Rotterdam. Auch dieses Spiel war brisant. Deutschland gewann mit 1:0 gegen die Niederlande.

 

 

 

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Letzte Aktualisierung:
17. November 2003

 

© Axel Beckmann