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Er ist der König der
Schiedsrichter und berühmter als mancher Fußballstar: Pierluigi Collina ist eine
Ausnahme-Erscheinung in einer Zunft, die sonst oft übersehen wird und meist auch
recht unbeliebt ist. Er ist der Mann zwischen den Mannschaften, der Streit
schlichten und die Einhaltung von Fairness und Disziplin überwachen muss - und
längst ein Mythos. Bereits fünf Mal wurde er zum
Weltschiedsrichter des Jahres gekürt. Er hat einige der wichtigsten
Fußball-Spiele der letzten Jahre gepfiffen: Das Fußball-Finale der Olympischen
Spiele in Atlanta 1996, etliche Top-Begegnungen der Weltmeisterschaft 1998, die
hektische Europameisterschaft-Qualifikation Deutschland-England und - natürlich
- das verlorene Champions-League-Finale Bayern - Manchester. Nicht zu vergessen
auch das WM-Finale 2002 Brasilien - Deutschland, in dem Deutschland unterlag.
Kein Wunder, dass Oliver Kahn über Collina einmal sagte: "Er ist ein
Weltklasse-Schiedsrichter, aber er bringt kein Glück."
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dpa Wehe, wenn Collina wütend wird ... |
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Widerspruch zwecklos Seine Mimik und Gestik machen den Mann aus Viareggio an der
Adria so unverwechselbar wie sein "glattes" Auftreten, das er einer
Stoffwechsel-Erkrankung verdankt: Während des Studiums fielen ihm damals
innerhalb kürzester Zeit sämtliche Haare aus. Unverwechselbar macht ihn auch
sein Mut zu unpopulären und harten Entscheidungen. Wenn er die Stirn in Falten
zieht und seine Augen aus den Höhlen zu springen scheinen - wagt es keiner der
gepäppelten Millionen-Verdiener zu widersprechen.
Längst ist Collina damit auch Kult.
Sein respekteinflößendes Konterfei grüßt von T-Shirts und selbst George
Michael nahm ihn ins Zeichentrick-Panoptikum eines Musikvideos auf. Der "Schiri"
läuft auf Modenschauen mit und ist ein gefragter Werbeträger für
Sportbekleidung, Uhren und sogar im fernen Japan für Tintenfisch-Snacks (wegen
der ähnlichen Kopfform). Ist Collina etwa langweilig? Da war es wohl an der Zeit, dass der Referee mit den
glasharten Augen auch eine Biografie veröffentlicht. "Meine Regeln des Spiels"
will einen Blick hinter die Kulissen des Schiedsrichter-Geschäfts werfen. Es ist
ein trockenes Geschäft, muss das Fazit lauten, wenn man sich durch die Seiten
gekämpft hat. Denn Collina erzählt nüchtern, mitunter schulmeisterlich über
seine Karriere und seine Anfänge, die Vorbereitung und die Bedeutung eines
harten Fitness-Programms auch für Schiedsrichter.
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ap Collina kann auch anders: Er kann strahlend
lächeln |
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So richtig spannend
will das nie werden, so ähnlich hätte man sich das sowieso gedacht. Und immer
hofft man auf ein Quentchen Humor, ein wenig Ironie, ein bisschen Enthüllung -
es kommt aber nichts. Einerseits ist der spröde Stil erfreulich, weil er
beweist, dass Collina keinen Ghostwriter hatte. Andererseits fällt dabei sehr
schnell auf, dass dieser Mann ein gelernter Finanzberater ist. Kann es sein,
dass diese mythische Gestalt, abseits des Platzes ein wenig langweilig
ist?
Pedantisch und besessen Collina ist ein absoluter Perfektionist, das wird auch im aspekte-Interview an seinem
Heimatort klar. Wenn er zum Beispiel erzählt, dass er manchmal gern eine Fliege
wäre, um noch mehr gleichzeitig zu sehen. Wenn er über seine Rolle spricht und
seinen Wunsch, nicht Gegner sondern Partner der Spieler zu sein, um das Produkt
Fußball zu verbessern, dann spürt man, wie pedantisch und besessen er seine
Mission verfolgt. Fast schon deutsch wirkt er mit dieser Ernsthaftigkeit, nach
Ansätzen von italienischem Witz sucht man vergebens. Und selbst wenn man ihn mit
Aspekten seines Ruhmes oder auch Umfragen zu seiner Popularität konfrontiert,
bleibt er steif. Auf die Frage, was er dazu sagt,
dass 60 Prozent der Italienerinnen ihn für attraktiv halten, entgegnet er nur:
"Das interessiert mich nicht." Dann bricht er wieder auf zum Fitness-Training
und wer ihn dabei beobachtet, merkt: Jedes Muskel-Stretching ist ihm ein Kampf.
In seiner Mission fordert er alles von sich selbst und auch von seinen Fans. Man
muss es einmal sagen dürfen nach zahlreichen gelesenen Seiten und einem
Interview: Collina ist ein Mann der großen Gesten, nicht der großen
Worte.
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Buchtipp
von Pierluigi Collina Meine Regeln des Spiels.
224 Seiten
Hoffmann & Campe Verlag, September 2003 ISBN:
3455093981 Preis: EUR 17,90 |
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