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Lösen von Konflikten
von Carl Jungebrand / Übersetzung aus dem Englischen: Albert Schencking & Dr. Norbert Esser
Carl Jungebrand ist internationaler Basketball-Schiedsrichter seit 1986. Er war Schiedsrichter bei drei Olympischen Spielen, zwei Weltmeisterschaften der Herren, leitete drei Finalspiele bei Europameisterschaften, sechs europäische "Final Four" - Turniere und mehr als 800 internationale Spiele.
Basketball ist ein Spiel, das mit Herz und mit Verstand gespielt wird, und Emotionen flackern dabei immer einmal wieder auf. Gleichermaßen wie bei den Spielern kann das Spiel auch emotionelle Gefühle der Zuschauer auslösen, das macht es für die Zuschauer interessant. Gerade weil die Wogen oft höher schlagen, ist das Entstehen von Konfliktsituationen sehr wahrscheinlich. Diese Konflikte entstehen nicht nur zwischen Mannschaftsmitgliedern, sondern auch zwischen Spielern, Trainern und Schiedsrichtern. Bei manchen knappen oder besonders wichtigen Spielen sind auch die Zuschauer in Konfliktsituationen eingebunden.
Der Schlüssel zur Kontrolle heißt "Verstehen"
Wenn wir darüber sprechen, etwas in uns oder in unserer Umgebung zu kontrollieren, müssen wir uns zunächst darüber im Klaren sein, womit wir es zu tun haben. Wir müssen uns deshalb darüber Gedanken machen, was Konflikte im Grunde sind. Selbst wenn wir versuchen, die speziellen Konflikte, die während des Spiels gerade auftauchen, zu analysieren, dürfen wir nicht vergessen, dass dieselben Regeln, die wir beim Leiten eines Spiels anwenden, genauso in unserem sogenannten "normalen Leben" abseits vom Spielfeld funktionieren. Viele gesellschaftliche Regeln, die erfolgreich im täglichen Leben angewendet werden, sind auch bei einem hitzigen Basketballspiel sehr wirksam. Ob man als Spieler, Trainer, Schiedsrichter oder Kampfrichter am Spiel beteiligt ist, spielt dabei keine Rolle. Wenn man einige elementaren Grundsätze beachtet, kann man mit unterschiedlichsten Komplikationen fertig werden, die allzu oft zum Konflikt führen.
Ich bin mir sicher, dass während eines Spiels jede Person dieselbe Anzahl von Situationen erlebt, die zu einem Konflikt führen kann. Wir müssen also zuerst erkennen, dass wir uns Meinungsverschiedenheiten stellen und sie lösen müssen und nicht, dass wir sie verhindern müssen. Es gibt bei jedem Spiel einige kritische Momente, in denen wir "richtig" reagieren müssen. Manchmal glauben wir, dass es zu einem Konflikt kommt, weil wir "irgendwie versagt" haben. Dasselbe gilt auch für Angst. Sowohl Konflikt als auch Angst sind sehr natürlich. Meinungsverschiedenheiten entstehen, weil wir alle verschieden sind, jeder mit seinen eigenen Wertvorstellungen und Gewohnheiten. Ganz allgemein gesagt können Konflikte durch ganz unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden wie Ärger, Frustration, Druck und Provokation. Dies sind alles natürliche menschliche Gefühle und - welche Überraschung – es gibt sie auch auf dem Basketballfeld. Unter dem Strich: Meinungsverschiedenheiten und Konflikte sind bei einem Basketballspiel absolut natürlich und normal.
Schlüsselfaktor: Meinungsverschiedenheiten und Konflikte sind etwas Normales - sie kommen bei jedem vor!
Es sind immer Menschen beteiligt
Früher war man der Auffassung, dass es nicht die Menschen sind, die sich bekämpfen, sondern dass die Dinge, über die sie reden, den Streit verursachen. Sicher – Konflikte ergeben sich aus Meinungsverschiedenheiten, aber wir dürfen nicht vergessen, dass immer Menschen daran beteiligt sind. Mit anderen Worten, die sogenannten menschlichen Regeln sind auch hier gültig, weil hinter jedem Konflikt immer ein menschliches Herz schlägt, egal, ob man Spieler, Trainer oder Schiedsrichter ist. Manchmal glauben wir, dass sich mit dem Anziehen des Trikots alles ändert, das stimmt aber nicht. Konflikte zu lösen bedeutet nichts anderes, als mit Leuten richtig umzugehen.
Der Ton macht die Musik! Sei ehrlich zu dir selbst!
Es wird behauptet, dass 90 % aller Scheidungen dadurch entstehen, wie die beiden miteinander sprechen und nicht, worüber sie sprechen oder was sie getan haben. Das ist irgendwie etwas Wahres dran. Wenn du die verschiedenen Situationen in einem Spiel sorgfältig analysierst, wirst du schnell feststellen, dass der Ton, wie du deine Botschaft vermittelst – nicht die Botschaft selbst – oft die Hauptursache von Problemen ist. Diese Einsicht wird hoffentlich dazu führen, deine Methoden während hitziger Spielphasen zu überdenken und ob sie wirklich angemessen sind oder nicht! Mitten drin in einem Konflikt zwischen aufgebrachten Personen, die alle glauben, sie seien im Recht, verlieren wir oft die Fähigkeit, die richtige Entscheidung zu treffen. Wir verlieren sogar manchmal unsere Beherrschung. Aus Sicht der Schiedsrichter kann es viele Meinungsverschiedenheiten geben, die nach meinen Untersuchungen von beiden Seiten gleichermaßen verursacht werden. Hauptursache eines Konflikts ist in vielen Fällen, dass ein Schiedsrichter die Reaktion eines Spielers falsch interpretiert. Ich habe eine Untersuchung über Konflikte beim Basketballspiel durchgeführt und nach meinen eigenen Erfahrungen kann ich sagen, dass die Spieler in 99 % der Fälle mit ihren Reaktionen oder Aussagen während des Spiels Recht haben. Somit ist der Schlüsselfaktor für einen Schiedsrichter, die eigentliche Ursache für die Meinungsverschiedenheit herausfinden zu können. Oft stellt sich heraus, dass es sich um fehlende Information oder um ein Missverständnis handelt. Um die Situation also richtig entscheiden zu können, musst also in der Lage sein, die Ursache für die Meinungsverschiedenheit herausfinden.
Schlüsselfaktor : Finde die Ursache der Meinungsverschiedenheit heraus!

Verstehe und respektiere andere, verstehe deine eigenen Reaktionen
Man nimmt grundsätzlich an, dass, wer die Anderen versteht, selbst besser verstanden wird. Deshalb ist es unabdingbar, etwas Zeit darauf zu verwenden, über sich selbst nachzudenken. Natürlich ist dies nicht leicht und manchmal kann es auch etwas schmerzlich sein, wenn du feststellst, dass du nicht in jeder Hinsicht perfekt bist – keineswegs in jeder!
Schlüsselfaktor
Wenn du deine Stärken und Schwächen kennst, kannst du sie kontrollieren! Es gibt ein Sprichwort: "Behandle die Anderen so, wie du selbst von ihnen behandelt werden möchtest!" Dies ist grundsätzlich richtig, aber es führt nicht immer zu dem Ergebnis, welches wir erwarten oder wollen. Weil wir alle verschieden sind, wird dir nicht immer das gefallen, was mir gefällt. Deshalb sollte das Sprichwort etwas anders formuliert werden: "Behandle die Anderen so, wie sie behandelt werden möchten!" Dies bedeutet, dass Personen mit guten psychologischen Fähigkeiten sehr erfolgreich im Umgang mit schwierigen Situationen sein werden. Dies gilt besonders für Leute in Handel und Verkauf. Diese Personen müssen äußerst vorsichtig mit ihren Kunden umgehen, um in ihrem anspruchsvollen Beruf über die Runden zu kommen. Ich habe festgestellt, dass die Charaktereigenschaft einer fehlenden Achtung vor anderen Menschen in deiner Umgebung schnell zu Konflikten führen kann. Man kann sich über Jemanden sehr aufregen, aber ihn trotzdem respektieren. Häufiger dagegen wird sich der Respekt, den man Jemandem zollt, sich mit Zinsen auszahlen. Es ist wie mit dem Lächeln: einen Anderen zu respektieren kostet nichts. Viele reden in emotionalen Situationen, wo zu schweigen besser gewesen wäre. Wer zuhören kann (oder zumindest diesen Eindruck erweckt), hat beste Chancen, als höchste Vermittlerinstanz anerkannt zu werden.
Denke nach und übe, gewinne nicht - löse!
In einem Basketballspiel entstehen schwierige Situationen so schnell, dass Schiedsrichter nicht oft über den Luxus von zuviel Zeit zum Nachdenken und Handeln verfügen können. Oft sagen wir etwas, was wir anschließend bedauern, und es ist dann fast immer unmöglich, es zu korrigieren. Allgemein kann man sagen, der Beginn einer Meinungsverschiedenheit ist der entscheidende Augenblick zu deren Lösung. Deshalb müssen wir besondere Sorgfalt darauf verwenden, wie und wann wir zum ersten Mal reagieren. Als Schiedsrichter war ich bisher schon mit Hunderten schwieriger Situationen in einem Spiel konfrontiert. Über die Jahre habe ich viele Stunden mit der nachträglichen Analyse verbracht, wie ich es geschafft habe, zu einem versöhnlichen Ausklang zu finden, auch wenn aufgebrachte Spieler oder Trainer mit meiner Entscheidung nicht so glücklich waren. Ich musste mich zunächst selbst ehrlich fragen und zu verstehen versuchen, warum und wegen welcher Einzelheiten mein Handeln oder Reagieren den Konflikt nicht lösen konnte. Dann, als ich die unterschiedlichen Faktoren wirklich verstanden hatte, konnte ich positive Veränderungen erreichen.
Folgende Faktoren sind nach meiner Meinung möglicherweise am wichtigsten:
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Am meisten erreichst du mit den Worten "Danke", "Bitte", "Entschuldige", "Würdest du…", "Könnte ich…", "Darf ich…".
Immer wenn du versuchst, eine Meinungsverschiedenheit zu lösen, dann konzentriere dich auf das eigentliche Problem. Lass‘ das Thema sich nicht ausweiten – dies kann leicht geschehen – sonst wird der ursprüngliche Konflikt wohl kaum gelöst. Sei dir sicher, dass du weißt, worüber du redest und fange nicht an, zu viel zu erklären.
Wenn ein Gesprächsgegenstand einer Vertiefung bedarf, suche nach einem besseren Zeitpunkt und Ort für weitere Diskussionen.
Versuche immer, die Gruppe, mit der du es zu tun hast, und ihre Zusammensetzung zu analysieren. Dies kann von Nutzen sein, wenn du Hilfe oder einen Ansprechpartner brauchst. Frage dich, welches Gruppenmitglied es sein könnte, dessen Kontakt dir nützlich sein könnte. Wenn du zur Lösung eines Problems die richtige Person aus der Gruppe aussuchst, kann ihr Einfluss den Rest der Gruppe zum Einlenken bringen.
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