|
Emotionen
pur, zwei Mannschaften, die verbissen um den Sieg kämpften.
Das war Spiel 2 der Finalserie in der sOBBL 2003 zwischen
ALBA Berlin und TSK Universa Bamberg. Nichts für Basketball-Ästheten,
sondern eher für Leute, die schon immer mal den Beweis
liefern wollten, dass dieser Sport keineswegs körperlos
geführt wird.
Und
zu guter Letzt waren natürlich wiedermal die Schiedsrichter
an allem Schuld. Für die Bamberger Niederlage, weil
Boris Schmidt am Ende des Spiels einige umstrittene
Entscheidungen getroffen hat. Für die 35 Minuten schwaches
Spiel ALBAs weil oben genannter und sein Kollege Markus
Hesse über das gesamte Spiel den Berlinern fast doppelt
soviele Fouls wie den Bambergern anhängten. Die Fans
der beiden Lager sind sich zumindest in diesem Punkt
einig: die graugekleideten Pfeifen waren überfordert
und hauptverantwortlich für Alles.
Der
neutrale Beobachter sieht die Sache da in der Mehrheit
etwas anders: Zwei Mannschaften, die den gnadenlosen
Körperkontakt suchten und alle schmutzigen Tricks anwendeten,
die man nur auf Lager haben konnte. ALBA wurde zurecht
mit deutlich mehr Fouls bedacht, da sie für die Mehrzahl
der Kontakte verantwortlich waren.
Auch
hier wird heftig über die Korrektheit der beiden Offense-Fouls,
des Schrittfehlers und des Technischen Fouls gestritten.
Boris Schmidt, einer der renommiertesten Refs der sOBBL,
hatte all diese Entscheidungen am Schluss getroffen
und war nicht nur für Bambergs Coach Dirk Bauermann
der Sündenbock: "Dieses Spiel hatte bessere Schiedsrichter
verdient gehabt." Ich meine, dass er besser hätte
sagen sollen: "Ein solches Spiel pfeifen zu müssen,
hat kein Schiedsrichter verdient gehabt."
Am
Sonntag findet die 3. Partie wieder in Berlin vor 10.000
fanatischen Anhängern statt. Wieder werden 2 Refs die
undankbare Aufgabe haben, dieses Spiel zu leiten. Roger
Schwarz und Horst Weichert haben drei Tage Zeit, sich
mit dem unglaublichen Druck zu beschäftigen, der nun
auf ihnen lastet. Pfeifen sie zu viele Fouls gegen ALBA,
wird die Halle erneut Kopf stehen, hängen sie den Bambergern
die Mehrzahl der Vergehen an, wird das Gerücht des Meisterbonus
wieder aufkommen. Eine mehr als schwierige Situation,
wenn man bedenkt, dass die angeblichen Basketballästheten
aus der Bundeshauptstadt erneut versuchen werden, den
angeblichen Kloppern aus Franken mit deren Mitteln beizukommen.
Dieses Spiel ist eigentlich eine Strafe für die Schiedsrichter,
keine Belohnung!
Eine
ähnliche Situation gab es im Übrigen vor kurzem in der
NBA beim Western Conference Final zwischen den Dallas
Mavericks und San Antonio. Im Spiel 2 (Zufall??) waren
die Schiedsrichter die auffälligsten Akteure im negativen
Sinne. Insgesamt 7 Technische Fouls wurden verhängt,
3 Disqualifikationen ausgesprochen und insgesamt 48
Persönliche Fouls gepfiffen. Verlierer Dallas war insbesondere
auf Joe Crawford nicht gut zu sprechen. In Spiel
3 verbuchte Namensvetter Dan Crawford dann vor Spielbeginn
eine bemerkenswerte Szene für sich. In der Vorbesprechung
der Schiedsrichter-Crew mit den beiden Kapitänen der
Teams äußerte er folgendes: "Okay Jungs, Ihr erinnert
Euch bestimmt noch an Eure Anfangszeit auf dem Playground
(Anm.: Freiplatz). Jeder hat sein Fouls selbst gesagt.
Genauso machen wir das heute. Jeder sagt sein Foul selbst
an!" Michael Finley muss wohl ziemlich dumm aus
der Wäsche geschaut haben, denn Crawford fügte schnell
hinzu: "Keine Sorge Mike, das war nur ein Witz!"
Das Spiel selbst lief völlig normal, keine Technischen
Fouls und 38 Persönliche Fouls. Die Refs "fuhren"
eine sehr kulante Linie, die von beiden Teams akzeptiert
wurde, obwohl auch hier immer mal wieder gemeckert wurde.
Aber Crawford war es anscheinend tatsächlich gelungen,
mit seiner flapsigen Bemerkung den Dampf aus der Partie
zu nehmen. Allerdings muss man auch sagen, dass beide
Teams aus der vorherigen Partie gelernt hatten. Es darf
bezweifelt werden, dass dies den beiden Bundesligisten
auch gelingt.
In
der Hoffnung auf ein Basketball-Spiel - vermutlich das
letzte Bundesliga-Spiel im deutschen Fernsehen für lange
Zeit
Euer
Webmaster
|