"Hauptsache es macht viel Spaß"
Geschrieben von Christoph Büker   
Montag, 30. Dezember 2002

morgner_sr.jpgCarolin Morgner ist Schiedsrichterin. Das an sich ist nicht besonders spektakulär. Auch nicht, dass sie eine gute Schiedsrichterin ist. Vielleicht aber schon eher, dass sie zuletzt bei Top-Ereignissen der DBBL zum Einsatz kam: sie pfiff zwei Spiele beim Final Four im Pokal sowie das dritte Finalspiel um die Deutsche Meisterschaft zwischen Wuppertal und Bonn. Noch vor wenigen Jahren wäre der Einsatz zweier männlicher Schiedsrichter selbstverständlich gewesen. Doch die Frauen an der Pfeife sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Das glaubt auch Carolin Morgner, die sich einigen Fragen stellte:

Frage: Der DBB-Frauenförderkader besteht seit mehr als zwei Jahren. Was hat sich seitdem getan?

Morgner: Das ist eine tolle Sache, denn die Schiedsrichterinnen werden gezielt gefördert und auf höhere Aufgaben vorbereitet. Das hat auch mir sehr geholfen. Die Lehrgänge sind sehr gut und durch den starken Praxisbezug äußerst lehrreich. Silvia Otto (Präsidentin der DBB-Frauenkommission und jahrelang Schiedsrichterin im DBB/Anm. d. Red.) hat in dieser Hinsicht in den letzten Jahren viel bewirkt.

Frage: Du bist Schiedsrichterin, spielst in der 2. Bundesliga Nord beim TSV Hagen, studierst in Bochum Sport und hast eine halbe Stelle beim DBB im Bereich Breiten- und Freizeitsport. Wie geht denn das alles zusammen?

Morgner: Das passt bisher ganz gut. Es dreht sich ja alles um Sport, so dass die Verbindung funktioniert, auch wenn es zeitlich manchmal knapp zugeht. Leider muss ich mich jetzt zwischen hochklassigem Spielen und hochklassigem Pfeifen entscheiden, beides zusammen geht künftig nicht mehr. Ich werde mich wohl zunächst mal auf das Pfeifen konzentrieren, um Interessenkonflikte zu vermeiden.

Frage: Warum bist Du als Zweitligaspielerin Schiedsrichterin geworden?

Morgner: Ich habe mich immer über die Schiedsrichter aufgeregt und wollte mal die andere Seite kennen lernen. Jetzt kann ich mich wenigstens fundiert aufregen... Aber im Ernst, ich bin da mehr so reingerutscht, und jetzt macht es viel Spaß.

Frage: Wie sind die männlichen Kollegen beim Pfeifen?

Morgner: Die akzeptieren mich und helfen mir. Besonders zuletzt Markus Hesse beim Finalspiel in Wuppertal. Vorher war ich nervös, aber dann ging es ganz gut. So wichtige Spiele sind von der Anspannung und Atmosphäre schon etwas besonderes. Daran muss ich mich erst noch gewöhnen. Aber der verstärkte Einsatz der Schiedsrichterinnen wird von den Vereinen sehr positiv aufgenommen. Deshalb mache ich weiter und hoffe auch für meine Kolleginnen auf weitere Einsätze in wichtigen Spielen. Die Hauptsache ist und bleibt aber, dass es Spaß macht.

Die Fragen stellte DBB-Pressereferent Christoph Büker

Quelle: Deutscher Basketball Bund