Ein Trainer darf nicht aufwiegeln
Geschrieben von Ute Berndt (www.newsclick.de)   
Dienstag, 1. November 2005

2005_staudenmayer.jpgBraunschweiger Basketballer sauer über Referees – Schiedsrichter-Chef kündigt weniger kleinliche Linie an
Wenn das üblicherweise sehr zurückhaltende Braunschweiger Basketball-Publikum Schiedsrichter mit "Hoyzer"- Rufen beschimpft, will das schon etwas heißen. 63 Fouls verhängte das Trio am Sonntag beim 88:99 von BS Energy gegen Trier.
"Das war kein Basketballspiel, das war eine Veranstaltung mit zwei Mannschaften, die Basketball spielen wollten und den Schiedsrichtern", umschrieb Trainer Henrik Dettmann seine Schiedsrichterkritik, die er sich wegen der neuen Liga-Regeln verkneifen musste.
Der BS-Energy-Coach fühlte sich und sein Team verpfiffen. Denn Horst Weichert, Claus Lauprecht und Bernd Michael entschieden nicht nur viel zu kleinlich und ohne erkennbare Linie gegen die Spieler beider Seiten. Sie erlaubten sich auch eine Phase im vierten Viertel, in der sie die Braunschweiger klar benachteiligten.


In diese schlimmen drei Minuten fielen Fehlentscheidungen, die nach dem berechtigten 5. Foul gegen Chauncey Leslie auch den Ausschluss von Jan Lipke und Vernard Hollins bedeuteten sowie zwei technische Fouls gegen die Bank. Beim ersten war Ben Perkins aufgebracht aufgesprungen, das zweite muss Dettmann verantworten. Auf die Aufforderung der Referees an die Bankspieler, sich hinzusetzen und den Mund zu halten, wandte er sich zu den Fans, warf die Arme in die Luft und forderte sie damit mit auf, lauter zu werden.

"Ein Trainer darf nicht aufwiegeln", erklärte der Technische Kommissar Wolfgang Mersch die Regel. Jedenfalls wurde aus dem 75:77 bei Ballbesitz für das Heimteam (32.) ein 79:89-Rückstand (34.), dem die dezimierte Mannschaft vergeblich hinterher lief.

2005_schreiner-weichert-lauprecht_klein.jpg
Laut Schiri-Instructor Staudenmayer pfeifen die BBL-Schiris bisher zu kleinlich. Foto: Jörn Wolters
Von Trierer Seite bekamen die Braunschweiger Verantwortlichen später Rückendeckung. Und Dettmann beschwerte sich bei Mersch und Schiedsrichter-Beobachter Frank Krause-Waterböhr so lautstark, dass sie, wären sie böswillig, dies auch als verbotene öffentliche Schelte hätten werten können. Haben sie aber wohl nicht. Stattdessen schilderten sie die Probleme bei Schiri-Boss Jens Staudenmayer.

Der gestand, die Zahl der Fouls – normalerweise 40 bis 45 – sei ungewöhnlich hoch. Auch hätten sich die Unparteiischen ihm gegenüber bereits recht selbstkritisch gegeben.

Zudem ruderte er zurück, ganz so streng sei das mit dem Maulkorb für Trainer nicht gemeint gewesen. Ein Coach könne durchaus kritisieren, es sei seiner Ansicht nach zu kleinlich entschieden worden. Sein Team sei verpfiffen worden, hätte Dettmann aber nicht sagen dürfen. Das sei zu persönlich und einseitig.

Staudenmeyer verwies auf die Selbstkritik-Fähigkeit der neuen Schiedsrichterorganisation. So sei bereits schwachen Referees nach Videoanalysen eine Pause auferlegt worden. Bei einer Tagung heute solle zudem einem Trend entgegengesteuert werden: "Wir haben festgestellt, dass momentan ein bisschen kleinlich und mit zu vielen technischen Fouls gepfiffen wird."

Übrigens: Verloren haben die Braunschweiger nicht (nur) wegen der Schiedsrichter. Sie verteidigten in der zweiten Hälfte nicht besser als in der ersten (59:48), fanden aber im Angriff gegen Triers Manndeckung nun kein Mittel mehr, nachdem sie die Zonenverteidigung in Hälfte eins prächtig auseinander genommen hatten (39:51).