Schiedsrichter-Urgestein verstorben
Geschrieben von Axel Beckmann   
Sonntag, 1. November 2009

rudolf-anheuser_olympia1972_sehrkleinDie deutschen Basketball-Schiedsrichter trauern um einen der ganz großen Pioniere: Rudolf Anheuser, der im Alter von 84 Jahren verstorben ist. Mit damals 14 Jahren hatte der aus Bad Kreuznach stammende als Schüler des deutschen "Basketball-Vaters" Hermann Niebuhr den ersten Kontakt zu der Sportart, die ihn nicht mehr los lassen sollte.

In amerikanischer Kriegsgefangenschaft "infizierte" sich Anheuser endgültig mit dem Basketball-Virus und nahm diesen bei seiner Heimkehr 1947 mit nach Bad Kreuznach. Hier brachte er, zusammen mit seinen damaligen Wegbegleitern Hermann Niebuhr und Dr. Ernst Bauer, nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges dem noch jungen organisierten deutschen Basketball-Sport - weit über die Kreuznacher Stadtgrenzen hinaus - das Laufen wieder bei.

In der damals höchsten deutschen Liga, der Oberliga Süd-West, war er mit dem Team des VfL jahrelang präsent. Später hatte "Anni" das Amt des Abteilungsleiters von 1958 bis 1961 inne, wo er parallel auch als Trainer, Schiedsrichter und Organisator fungierte, jedoch immer mit einem ganz besonderen Fokus auf die Förderung der Jugendlichen.

1964 erhielt er, zusammen mit seinem langjährigen Bad Kreuznacher Freund Manfred Ströher, der in dieser Zeit Bundes-Schiedsrichterwart gewesen ist, in Belgrad die internationale Schiedsrichter-Lizenz. Bis 1979 leitete Anheuser unzählige internationale Begegnungen, so auch bei den Olympischen Spielen 1972 in München, wo er, nach Terry Schober 1968 in Mexico, der zweite Deutsche Basketball-Schiedsrichter bei Olympischen Spielen war. Nach seiner aktiven Laufbahn als internationaler Schiedsrichter wurde er vom Weltbasketballverband FIBA zum Ehrenschiedsrichter auf Lebenszeit ernannt.

Ströher war es auch, der Anheuser in die Schiedsrichter-Kommission des Deutschen Basketball-Bundes berief, wo sein unerschöpfliches Wissen Basis der gesamten deutschen Schiedsrichter-Aus- und Weiterbildung in dieser Zeit war. Mit Ströher zusammen erarbeitete Anheuser weltweit erstmals eine Regelinterpretation der internationalen FIBA-Regeln und legte sie in schriftlicher Form nieder. Obwohl diese aus dem damals basketballerisch vergleichsweise unbedeutenden Deutschland stammte, wurde diese Regelinterpretation von der FIBA offiziell anerkannt. Die hierin aufgeführten Schiedsrichter-Techniken, wie etwa die fest definierten Laufwege der Schiedsrichter zu den Bewegungen des Balles, dienten als weltweite Grundlage aller Schiedsrichter-Aus- und Weiterbildungen und wurden in über 50 Sprachen übersetzt.

Mit der Berufung zum technischen Kommissar des Weltbasketballverbandes im Jahre 1981 übernahm Rudolf Anheuser darüber hinaus weitere große Verantwortung und hatte bedeutenden Einfluss im internationalen Basketball-Schiedsrichterwesen, wo auch heute noch seine Handschrift erkennbar ist.

Durch seine umfassenden und unausschöpflichen Kenntnisse rund um das "rote Leder" war Anheuser auf nationaler als auch auf internationaler Ebene in besonderem Maße anerkannt. Der Deutsche Basketball-Bund hielt in schwierigen technischen Schiedsrichter-Angelegenheiten bis in die heutige Zeit mit ihm Rücksprache und vertraute gerne auf seine Meinungen und Ratschläge, die der Träger der Goldenen Ehrennadel des DBB, die höchste Auszeichnung, die der Deutsch Basketball-Bund vergibt, immer wieder gab.

Mit Rudolf Anheuser verliert nicht nur der VfL , sondern die weltweite Basketballfamilie einen Pionier, der auf die positive Weiterentwicklung der Sportart Einfluss nahm wie kaum ein Anderer. Sein Andenken und das, wofür er sein Leben lang stand, wird sein Verein, der VfL 1848, in Ehren halten.