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Männer sind so leicht zu durchschauen, vielleicht sogar leicht zu manipulieren. "Wir schauen uns vor einem Spiel stets die Schiedsrichter-Ansetzungen an und überlegen dann, wer von uns aus der Mannschaft die beiden Herren begrüßen soll." Eine freundliche Begrüßung von einer netten Spielerin stimmt die (überwiegend männlichen) Schiedsrichter doch gleich freundlicher auf das Spiel ein. Und ertappt: Später im Spiel, wenn die Spielerinnen nur noch in Trikot und kurzer Hose auf dem Feld stehen und die Schiedsrichter ihre Pfeife einsatzbereit im Mund führen, könnte sich diese kleine psychologische Maßnahme vielleicht bezahlt machen - mit dem einen oder anderen entscheidenden Pfiff zu Gunsten der eigenen Mannschaft. Es mag durchaus auch Referees geben, die den "Waffen der Frauen" entgegen wirken wollen und deswegen versuchen, extra "neutral" (zum Nachteil der jeweiligen Mannschaft) zu pfeifen. Undenkbar auch, dass diese Maßnahme bei Herren-Spielen zum Erfolg führen würde. Oder erst recht, weil weibliche Unparteiische eher ungewöhnlich auf dem Herren-Spielfeld sind? Zu gering ist die Anzahl der Schiedsrichterinnen, die bei den Männern in den Regional- und Bundesligen zum Einsatz kommen.
Der Damen-Basketball hat allgemein einen schweren Stand, auch bei vielen Schiedsrichtern. Die Vorurteile: Kein hohes spielerisches Niveau, ein hohes Leistungsgefälle in den einzelnen Ligen, kaum Zuschauer. Die Folge: Die Motivation vieler Schiedsrichter, die in den Damen-Bundesligen angesetzt werden, hält sich in Grenzen: "Wir pfeifen heute ja nur ein Damen-Spiel, lass’ es uns schnell über die Bühne bringen." Nicht ohne Grund ist die DBBL an die Schiedsrichter-Kommission herangetreten, ab der kommenden Saison nur noch die Referees anzusetzen, die auch motiviert sind, in den Damen-Bundesligen zu pfeifen. In den Grundzügen und in der Spielidee ist der Damen- und Herren-Basketball zwar identisch, trotzdem unterscheiden sich die beiden Bereiche deutlich voneinander. Dies spiegelt sich folglich auch in der Art wider, in der die Schiedsrichter die Herren- beziehungsweise Damen-Spiele leiten. Nur ein Damen-Spiel? Keine hohen Anforderungen an die Schiedsrichter? Nein, andere Anforderungen. Es gibt genügend Trainer, die niemals erfolgreich eine Damen-Mannschaft trainieren könnten, weil sie mit der Mentalität des weiblichen Geschlechts nicht klar kommen oder sich einfach nicht umstellen wollen. Gleiches gilt für Referees: Spitzen-Schiedsrichter, die ohne Mühe und mit hoher Akzeptanz ein Finale um die Deutsche Meisterschaft oder eine Partie in der Europaliga über die Bühne bringen, behaupten von sich, dass sie in den Damen-Bundesligen eine schlechte Figur abgeben würden. Warum bloß? Weil sich vielleicht zu viele Klischees in einigen Köpfen festgesetzt haben? Weil sie die gleichen Maßstäbe ansetzen wie bei den Herren?
Frauen foulen zwar nicht unbedingt mehr als ihre männlichen Kollegen, nur wollen sie meist mehr gepfiffen haben. Eine Bauchlandung können die Schiedsrichter erleben, die das Vorteil-/Nachteil-Prinzip konsequent umsetzen und versuchen, das Spiel laufen zu lassen. Bestimmte leichte Kontakte, die bei den Männern geduldet werden, haben bei den Damen andere Auswirkungen auf Bewegung und Korbwurf, weil die körperlichen Voraussetzungen ganz andere sind. Auch das mag es vereinzelt in Damen-Spielen geben: Kontakte können durchaus fatale Folgen für das Verhalten auf dem Feld haben – wenn sie denn nicht geahndet werden. Sie können eventuell eine Kettenreaktion auslösen: Das Revanchefoul folgt unmittelbar und für alle offensichtlich unter dem anderen Korb. Wenn die Unparteiischen jetzt den Ernst der Lage erkennen, haben sie noch eine gute Chance, das Spiel im Griff zu behalten. Greifen sie aber nicht ein, könnte es schwierig werden, die Kontrolle zu behalten. Und Frauen können zusammen halten. Daher beschränken sich die drohenden Konflikte nicht nur auf ein bestimmtes Pärchen auf dem Feld. Was aber, wenn die gefoulte Spielerin nachtragend ist und nicht vergisst? Dann behält sie sich vor, auf eine günstige Gelegenheit zu warten, um im rechten Moment zurück zu schlagen – im wahrsten Sinne des Wortes. Gemeinerweise erfolgt diese Revanche nicht immer noch im selben Spiel, sondern vielleicht erst im Rückspiel oder gar in der kommenden Saison. Männer lassen es gerne einmal krachen – und gut ist. Diese Taktik wenden Schiedsrichter gerne als letztes Mittel an, wenn sie Spieler oder Trainer zur Ruhe bringen wollen, die meinen, lautstark diskutieren zu müssen. Konflikte auf die gleiche Art und Weise in einem Damen-Spiel lösen zu wollen, könnte zwar dazu führen, dass die Diskussion für diesen Moment beendet ist. Der böse, fast schon gehässige Blick einer Spielerin aber kann mehr verraten – und den Schiedsrichter mag das Gefühl überkommen, mit dieser Spielerin in naher Zukunft wohl nicht mehr gut Freund zu werden. Weniger in der 1. Bundesliga, vielmehr in den unteren Ligen, wo Schiedsrichter-Entscheidungen manchmal noch zu persönlich genommen werden. Zur Alternative des Konfliktmanagements nur so viel (wir Schiedsrichter wollen uns ja nicht unbedingt in die Karten schauen lassen): Blicke sagen mehr als tausend (laute) Worte. Nicht nur zur Begrüßung. Gelöst von sämtlichen Klischees (die zwar im Damen-Basketball vorkommen, aber nicht regelmäßig an der Tagesordnung sind) bleibt trotzdem die Frage offen, warum viele Schiedsrichter in Damen-Spielen eine schlechte Figur abgeben. Vielleicht liegt es oftmals nur an der Einstellung der männlichen Referees, die ein gutes Damen-Basketballspiel kaputt machen können. "Welche Mannschaften spielen heute gegeneinander? Wie sollen wir pfeifen?" – "Anders als bei dem Herren-Spiel in der vergangenen Woche, oder?" Guido Radtke arbeitet als Redakteur bei der "Rheinischen Post". Als Schiedsrichter kommt er in den 2. Basketball-Bundesligen sowie in der 1. Damen-Bundesliga zum Einsatz; zudem ist er für die Aus- und Fortbildung der Schiedsrichter im Westdeutschen-Basketball-Verband verantwortlich. Quelle: Saisonheft des Damen-Bundesligisten NB Oberhausen 2003/04 |